10.03.2010
Von Pastor Jörg-Michael Schmidt, Kirchengemeinde Rieseby
Ich finde es sehr gut, dass sich die Eckernförder Zeitung seit einigen Jahren in Zusammenarbeit mit unserem Kirchenkreis an der evangelischen Fastenaktion „Sieben Wochen ohne“ beteiligt und damit auf ihre Weise einen wesentlichen Aspekt dessen umsetzt, was auch Motto der diesjährigen Fastenaktion ist: „Näher – 7 Wochen ohne Scheu“. Sich ohne Scheu zu einer evangelischen Aktion zu bekennen, sie durch Beiträge unterschiedlicher Menschen aus ganz verschiedenen Lebens- und Berufsfeldern näher an Leserinnen und Leser heran zu bringen und sie zum Nachdenken über das eigene Leben und seine Gestaltung und Gewichtung zu bewegen, spricht für die EZ und für die Menschen, die sie redaktionell verantworten.
„Näher – 7 Wochen ohne Scheu“- dieses Motto löste bei mir zunächst ganz unterschiedliche Assoziationen aus: näher, mehr Nähe, sich näher kommen, Meernähe, mehr Nähe in Meernähe – wir leben schließlich in der AktivRegion Schlei-Ostsee und Hügelland am Ostseestrand: Offenheit, Grenzenlosigkeit, Neugier, differenziertes Betrachten und Werten, näher hinschauen, sich austauschen, mit einander reden, zuhören, Vorbehalte beiseite lassen, sich nicht scheuen, keine Angst haben, offen sein für Neues oder Vergessenes, sich gegenseitig und persönlich Zeit zur inneren Einkehr und Besinnung gönnen, Nähe in der Gemeinde und bei der Begegnung mit Menschen.
Bei dieser letzten der vielen Assoziationen empfand und empfinde ich mich mitten drin in meinem Amtsauftrag und Dienst als Pastor. Geburtstags-, Kranken- und Hausbesuche, Seelsorge- und Beratungsgespräche, Gottesdienste und Andachten, Taufen, Konfirmationen und Goldene Konfirmationen, Trauungen und Ehejubiläen, Beerdigungen, Vor- und Nachgespräche zu den jeweiligen Amtshandlungen, Konfirmandenunterricht, Besuche in unseren Kindertagesstätten, Gruppen und Kreise, Ausschuss- und Kirchenvorstandssitzungen, Mitarbeiter- und Dienstgespräche, Verwaltungsarbeiten und die repräsentative Vertretung unserer Kirchengemeinde im öffentlichen Leben gehören seit mehr als 23 Jahren zu meinen Aufgaben und damit natürlich auch zu meinem Leben. Immer wieder heißt es, sich auf neue Situationen und Menschen einzustellen, sich in sie hineinzufühlen und sie zu verstehen. Dabei lagen und liegen Freude und Trauer, Befreiendes und Belastendes, Glück und Leid, Dankbarkeit und Zweifel ganz nah bei einander.
Mein Beruf ist äußerlich betrachtet wie innerlich empfunden von einer enormen Dichte der Wechselfälle und Veränderungen des Lebens geprägt. Sich darauf immer wieder neu einzustellen, bedeutet eine große Herausforderung. Einfühlungsvermögen und Verstehen, Offenheit und Nähe sind nötig, um Menschen in ihrer jeweiligen Lebenssituation gerecht zu werden. Das ist nicht immer leicht. Auch ich stoße an Grenzen meiner Kräfte und Möglichkeiten, aber dennoch sehe ich es als eine meiner wichtigsten Aufgaben an, Menschen seelsorgerlich zu begleiten.
Dass ich Pastor in diesem Wesenszug bleibe, braucht jedoch - ohne Scheu gelebt - in gleichem Maß eine ungebrochene Nähe zu mir selbst und zu meinen persönlichen Freiräumen. Ich möchte in Anlehnung an das Motto „Näher – ohne Scheu“ auch künftig leben und sagen können: Ich bin mitten drin – im Einklang mit mir selbst, in der Gemeinschaft meiner Familie und der meiner Freunde und im Dienst für Menschen in der Gemeinde.


