17.02.1010

Heike Hansen (Foto: Gernot Kühl, EZ)

Von Heike Hansen, Altenpflegerin im Altenhilfe-Diakonie-Zentrum Eckernförde

Als ich gefragt wurde, ob ich oder eine andere Person einen Artikel zu dem Thema „Näher! 7 Wochen ohne Scheu“ schreiben könnte, war ich sehr verhalten.

7 Wochen ohne Alkohol, Zigaretten oder Fernsehen, dazu würde mir sofort etwas einfallen, aber zu diesem Thema?! Und überhaupt, Nähe und Pflegekräfte!! Pflege ohne Nähe ist nicht möglich, aber was bedeutet das, wie gehen wir, wie gehe ich damit um?

Ich bin mir der körperlichen Nähe bei meinen Handlungen sehr bewusst. Wir als Pflegekräfte kommen den Menschen sehr nahe, wir durchbrechen so ziemlich jede Barriere, überschreiten jede Grenze bei unseren pflegerischen Handlungen. Sei es bei der Körperpflege, wo mich zwischen meinen Händen und dem Körper des anderen oft nur ein Stück Waschlappen oder das Gummi des Handschuhs trennen, oder bei Transfers, wo ich mein Gegenüber so nahe an meinen Körper nehme, damit ich ihn z.B. aus seinem Rollstuhl nehme, um ihn in sein Bett legen legen zu können. Solche Nähe erlauben wir unseren Partnern, unseren Eltern und Kindern, also sehr nahen Personen. Das Wissen um mein tägliches Überschreiten der Grenzen macht für mich mein professionelles Handeln aus. Damit die Menschen sich auf diese Nähe vorbereiten und einlassen können, trete ich vor jedem pflegerischen Handeln in Kontakt mit meinem Gegenüber, ob mit Worten, Gestik oder Mimik, erkläre ich ihm, was gleich geschehen wird, was ich machen werde und zwar jeden einzelnen Handlungsschritt. Das mache ich bei allen zu versorgenden Menschen, auch und gerade bei Menschen mit einer demenziellen Erkrankung und bei Menschen in ihrer letzten Lebensphase. Das macht für mich den Unterschied zwischen Übergriffen und professionellem Handeln aus.

Und manchmal entsteht durch solche pflegerischen Handlungen auch eine andere Art von Nähe. Einige Menschen berühren mich, ihr Schicksal, das was sie erlebt haben, ihre Biographie. Wenn Menschen sich mir öffnen, sich mir mitteilen, dann weiß ich, das dies oft nur möglich ist, wenn wir uns auf dem dünnen Grad zwischen Nähe und Distanz gemeinsam begegnet sind.

Nur dann kann ich beratend, helfend, vermittelnd und unterstützend tätig werden, wenn ich mir meiner Rolle als professionelle Pflegekraft bewusst werde. Sollte ich diese innere Distanz verlieren, kann ich meine Arbeit nicht machen, fühle ich mich selbst betroffen, erinnert an Schicksalsschläge in meiner Familie, an eigene Verluste und bin nicht mehr hilfreich in meinem Tun. Hier ist in erster Linie meine Fachlichkeit gefordert, mit all meinem persönlichen Engagement. Dies versuche ich mir immer klar zu werden und mir hilft dazu folgendes Bild:

Ich atme tief durch, richte mich innerlich auf und ziehe einen Schwesternkittel an.

Dies hilft mir die nötige Distanz zu halten, und trotzdem kommt es manchmal vor, dass mich Menschen und Begegnungen nachhaltig beschäftigen. Das sind die Momente wo ich inne halte und mich frage: "Na, hast du dich richtig angezogen?"