24.02.2010

Paul Oldenburg (Foto: Dirk Steinmetz, EZ)

Von Paul Oldenburg, Bestatter aus Waabs

Eine geöffnete Tür - ein offenes Ohr, der erste Schritt, auf dem Weg zu mehr Mut, zu mehr Nähe

Ich frage mich immer, wenn ich mich auf den Weg zu Angehörigen in ein Trauerhaus mache, ist das genug ? – nein es genügt nicht! Ich muss mit ehrlichem Herzen dahinter stehen.

Mir hat mal zu Beginn meines Berufs als Bestatter ein alter Pastor einen Wegweisenden Satz mit auf den Weg gegeben: „Nie ist der Mensch so hilflos und nie liegt die Seele so bloß wie im Trauerfall.“ Gerade da ist es für mich eine Herausforderung, immer wieder erneut auf die Angehörigen zu zugehen, erst einmal zuzuhören, um dann gemeinsam mit ihnen die erforderlichen Schritte für die Abschiednahme nach ihren Wünschen und Vorstellungen zu besprechen. Die organisatorischen und behördlichen Schritte müssen bedacht und schließlich, wenn auch in sich sehr unterschiedlich, auf einen Punkt zusammen laufen und stimmig sein.

Wenn ich dann, so beim Gespräch, meine Fragen stelle und mir Notizen dabei mache, habe ich oft das Gefühl, ist es richtig, kannst du Angehörige in dieser sensiblen Situation mit den vielen Fragen, die notwendig sind und doch manchmal professionell klingen, so gegenüber sitzen, - ist das richtig?   

Ja –  ich glaube es ist richtig. Ich bin überzeugt, dass es nicht nur richtig, sondern auch wichtig ist.

Es ist meiner Meinung auch ein Weg, bei dem auf der einen Seite Tod und Trauer sind und andererseits die Realität es erforderlich macht, sich den Alltagsproblemen irgendwie zu stellen.

Den Mut mit Tod und Trauer so nahe zu sein und dennoch so mutig zu sein, ohne dabei Erinnerungen zu verdrängen, den eigenen Weg der Zukunft zu finden, das ist Nähe.

Wenn ich zum Schluss meines Gespräches alle Termine zusammen gebracht habe, bleibt den Angehörigen noch das Trauergespräch mit dem Pastor/Pastorin oder Redner, was in den meisten Fällen dann auch ein bekanntes Gesicht ist und damit den Angehörigen auch näher ist.

Auf dem Heimweg gehen mir die letzten Stunden noch einmal durch den Kopf und ich bin dankbar, dass ich mutig genug bin, ganz nahe bei den Menschen zu sein, die mich brauchen. Für mich ist dieser Lernprozess im Laufe der Jahrzehnte meines Berufs eine Bereicherung gewesen und wird es immer bleiben.