Geistlicher Impuls
Näher! 7 Wochen ohne Scheu
Seit vielen Jahren beteiligt sich die Eckernförder Zeitung in Zusammenarbeit mit dem Kirchenkreis an der Fastenaktion „Sieben Wochen ohne“. Diese Aktion ruft alljährlich dazu auf, in der Passionszeit von Aschermittwoch bis Ostern aus guten Gründen auf irgendetwas einmal zu verzichten. Jahr für Jahr leben viele Menschen sieben Wochen zum Beispiel ohne Alkohol, ohne Fernsehen oder ohne Süßigkeiten. Allein die Erfahrung, dass man das schafft, bestimmte Gewohnheiten für einige Wochen abzulegen, verleiht Selbstbewusstsein und lässt einen ein bisschen stolz auf sich sein. Weniger kann mehr sein. Schon das ist eine befreiende Erfahrung. Das sind nur einige Gründe, warum sich Jahr für Jahr Tausende an der Fastenaktion beteiligen.
Beim Fasten geht es mehr um maßvolle Disziplin als um spektakuläre Aktionen. Es bringt in Ordnung, was irgendwie aus dem Ruder gelaufen ist. Man kann Fasten auch als gute Gelegenheit sehen, sich selbst besser kennen zu lernen. Wie eine Lockerungsübung löst es innere Blockaden und macht einfühlsamer und sensibler in mancherlei Hinsicht. Es bringt einen wieder in die richtige Haltung Gott, den Menschen oder sich selbst gegenüber. Aus diesem Grundgedanken heraus sind in den letzten Jahren neue Ideen für die Fastenzeit entstanden: Nicht nur, was man einmal sein lassen oder reduzieren könnte, sondern auch das, was man eigentlich einführen oder beginnen sollte, wird in den Blick genommen. Statt auf etwas zu verzichten, kann man natürlich auch einmal etwas wagen, was man sich bisher vielleicht nicht zugetraut hat. So lautet das Motto der diesjährigen Fastenaktion „Näher! Sieben Wochen ohne Scheu“. Diese Aktion will dazu ermuntern, mehr Nähe zu wagen. Sieben Wochen mit der erklärten Absicht, mehr Nähe zu den Mitmenschen herzustellen.
Wir merken ja erst dann wirklich, wie viel wir von anderen an Aufmerksamkeit und Zuwendung zurückbekommen, wenn wir uns auf sie eingelassen haben. Es könnte also passieren, dass wir nicht nur während der Fastenzeit mehr Nähe zulassen und ermöglichen, sondern nach der „Probezeit“ gar nicht mehr anders können, als so weiter zu machen. In einer Gesellschaft, die viele als gleichgültig empfinden und unter deren Kälte manche leiden, könnte das ein Zeichen dagegen sein. Man verhält sich bewusst anders, wenn man Gemeinschaft pflegt und sich auf Nächstenliebe einlässt. Eine Geste menschlicher Zuwendung und Wärme ist es, wenn ich jemandem unter die Arme greife, jemanden anspreche oder in die Arme nehme. Ich warte nicht länger, dass andere auf mich zukommen, sondern tue selbst den ersten Schritt. Einander berühren und begreifen gehört genauso dazu, wie sich wieder zusammen zu raufen, Zusammengehörigkeitsgefühl zu verdeutlichen und einander von Angesicht zu Angesicht zu begegnen.
Ich freue mich, dass es der Eckernförder Zeitung und dem Kirchenkreis wieder gelungen ist, Menschen dafür zu gewinnen, uns aus ihrer Perspektive und ihrem beruflichen Umfeld heraus zu dem Motto der diesjährigen Fastenaktion ihre Gedanken mitzuteilen. In den nächsten sieben Wochen können wir lesen, was ihnen dazu einfiel. Ich denke, dass wir persönlichen Gewinn davon haben werden.
Propst Knut Kammholz


