Eckernförde - Zwischen Kirche und Politik gibt es einige Gemeinsamkeiten. Und so erweiterte Kreispräsidentin Sabine Mues ihren Impulsvortrag beim Jahresempfang des Kirchenkreises Rendsburg-Eckernförde auf beide Bereiche. Sollte sie ursprünglich über „Demokratie in schwerer See“ sprechen, ergänzte sie den Titel bei ihrem Vortrag in St. Nicolai Eckernförde passend zu Anlass und Ort: „Demokratie und Kirche in schwerer See“. Die etwa 150 Anwesenden aus Kreispolitik, Kommunen, Verbänden, Kirchenkreis und Kirchengemeinden hörten interessiert zu und bekamen einen kurzen Abriss über viele Probleme und Reizthemen der Gegenwart.
Präses Maike Tesch eröffnete den Abend und wies auf ein kleines Detail auf der Einladungskarte mit großer Wirkung hin – denn endlich wieder stünden neben ihrer Unterschrift und der von Propst Matthias Krüger noch eine dritte: Die von Propst Dennis Pistol. Dieser dankte nach dem Impulsvortrag für vielerlei Unterstützung in der Vorbereitung und ermutigte die Gäste in Anlehnung an die Jahreslosung 2026: „Suchen Sie heute Abend doch mal nach einem neuen Kontakt. Entdecken Sie neue Verbindungen für die Einrichtung, für die Sie hier sind.“ Musikalisch untermalt wurde der Abend von Katja Kanowski, einer kleinen Band und dem Eckernförder Mädchenchor.
Propst Matthias Krüger leitete den Vortrag der Kreispräsidentin ein und sprach dabei ebenfalls von Gemeinsamkeiten zwischen Kirche und Demokratie. Mit Blick auf die Erschaffung des Menschen durch Gott verwies er darauf, dass alle Menschen vor Gott die gleiche Würde hätten. „Nach seinem Ebenbild sind wir geschaffen.“ Daneben stellte er den Anfang des Grundgesetzes mit dem Satz: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“ Als zweite Verbindung hob er die Freiheit heraus. „Gerade als Lutheraner betonen wir die Freiheit des Glaubens. Denn zur Freiheit hat Christus uns befreit.“
Werte fehlen
Auch Sabine Mues sprach von den Grundrechten und der Freiheit. „Wir erleben Debatten über Diskriminierung, über den Umgang mit religiösen Minderheiten oder über die Grenzen der Meinungsfreiheit“, sagte sie, „Manche Entwicklungen lösen Sorgen aus, andere sogar Ängste.“ Der Grund liegt nach ihren Worten darin, dass sich die Gesellschaft von den Werten entfernt hat, die sie über Generationen getragen hat. Die schwindende Ehrfurcht vor Gott und den Mitmenschen schloss sie dabei explizit mit ein.
Sabine Mues sprach über die Bedrohungen der Demokratie, über die Schwierigkeiten vieler Menschen, andere Meinungen auszuhalten und grassierenden Hass gerade auch in sozialen Netzwerken im Internet. Und sie sprach über Falschinformationen und Manipulationsversuche. „Die christliche Verpflichtung zur Wahrhaftigkeit und die demokratische Notwendigkeit einer faktenbasierten Debatte gehören untrennbar zusammen“, sagte sie. Der Kirche komme in der Gesellschaft zusammen mit anderen Institutionen die Rolle zu, Werte hochzuhalten und Gemeinschaft zu stiften.
Fester Kompass
Sie schlug einen Bogen von der Krise der Parteien, denen die Mitglieder ausgehen, zur Krise der Kirchen, die ebenfalls kleiner werden. „Kirche darf nicht zuerst als Beitragspflicht wahrgenommen werden, sondern als eine Gemeinschaft, deren Bedeutung für das eigene Leben und für das Gemeinwohl erkennbar und erfahrbar ist“, sagte Sabine Mues.
Die Demokratie brauche Bürgerinnen und Bürger mit einem festen inneren Kompass. Sie brauche Menschen, die Verantwortung übernehmen, die Respekt vor anderen haben, die zur Wahrheit stehen und die die Würde jedes Einzelnen achten, sagte sie. Dazu könnte Kirche einen wichtigen Beitrag leisten. „Nicht als politische Akteurin, sondern als Vermittlerin von Werten, Orientierung und Gemeinschaft“, so Mues am Ende ihres Vortrags, der viel Stoff für die anschließenden Gespräche unter den Anwesenden bot.























