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Pastorin Josephine Teske (rechts) und Praktikantin Miriam Hackländer feierten Gottesdienst vor dem Sauerteig-Reiferaum in der Bäckerei Drews.

Die Bäckerei Drews in Büdelsdorf.

18.02.2020

Büdelsdorf – Jede und jeder, der zur Tür hereinkam, sollte einen Umschlag bekommen, 60 hatten Pastorin Teske und ihre Praktikantin vorbereitet, am Ende reichten sie nicht aus: „Ich dachte mal, dass vielleicht so 30 Menschen kommen. Jetzt sind es ungefähr 100, damit habe ich nicht gerechnet“, strahlt Teske. Der Altersdurchschnitt dürfte unter dem „normaler“ Gottesdienste liegen, an diesem Freitagabend in der Bäckerei Drews in Büdelsdorf. Aber nicht nur junge Menschen sind gekommen um diesen ungewöhnlichen Gottesdienst am anderen Ort mit dem Titel „beyoutiful“ zu feiern.

Und nicht nur Menschen aus Rendsburg und Büdelsdorf haben den Weg auf sich genommen: Aus Hamburg und Bad Segeberg haben sich Freunde und Verwandte aufgemacht. Aber auch die 81-jährige Helga aus Haddeby ist mit ihrer Enkelin aus Lüneburg hergekommen, um zu sehen, was die jungen Leute heute so bei Kirche machen: „Man muss ja auf dem neusten Stand bleiben, ich bin froh, dass wir gemeinsam hergefahren sind“. Ihre Enkelin hat auf Instagram von dem Gottesdienst erfahren, sie ist eine der mehr als 16.000 Follower*innen, die Josephine Teske mit ihrem Profil seligkeitsdinge_ dort hat. Über 100 Menschen verfolgten den Gottesdienst im Übrigen auch in der Liveübertragung in dem sozialen Netzwerk.

Gemeinsam mit ihrer Praktikantin Miriam Hackländer aus Bonn hat Pastorin Teske den Gottesdienst vorbereitet, in dem vieles nicht wie gewohnt ist: Das Liedblatt ist per QR-Code zu lesen. Applaus während der Veranstaltung gestattet. Popmusik mit Gitarrenbegleitung von Sven Lasse Petersen aus Kropp statt Orgel. Der Auftakt eingespielte Sprachnachrichten aus den Lautsprechern, Antworten auf die Frage „Was findest Du schön an Dir“. Denn das war das Thema des Gottesdienstes: Die Liebe Gottes, aber auch die Selbstzweifel des Einzelnen.

In Liedform greifen die beiden Frauen auf, welche Wünsche die Menschen umtreiben, wer, was oder wie sie gerne wären. Der Refrain: „Es ist nicht immer leicht, ich zu sein. Manchmal ist es sogar sauschwer“. Formulieren die Bitte an Gott „Ich möchte mich doch sehen, so wie du es kannst. Ich möchte mich doch lieben, zumindest irgendwann“.

Die Liedauswahl ist treffend: Sarah Connor mit „Wie schön Du bist“ und „Applaus, Applaus“ von den Sportfreunden Stiller singt die Gemeinde auch ohne Textblatt mit. Die Atmosphäre in der Bäckerei gleicht der in einer kleinen Bar bei einem gemütlichen Konzert, von außen wirkt die mit bunten Lichtern schummrig beleuchtete Bäckerei wie eine Lounge in einer Großstadt. Drinnen legen sich Pastorin und Praktikantin mit einem Poetry Slam ins Zeug: „Klar gibt es Dinge an mir, die mir nicht gefallen. An manchen kann ich arbeiten, an anderen nicht. Doch weil ich nicht perfekt bin, kann ich mich nicht lieben? Ist das nicht traurig?“ fragt Praktikantin Hackländer nach einer gefühlt endlosen Liste von Dingen, die Menschen nicht an sich mögen. Immer wieder unterbrochen von dem Kehrvers „Spieglein, Spieglein an der Wand“ predigt sie zum Psalm 139, in dem es heißt „Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin“. Um sich selbst zu lieben brauche es manchmal den Zuspruch von anderen, so Hackländer. Noch größer als deren Liebe aber sei die Liebe Gottes: „Was oder wen auch immer Gott im Spiegel sieht, es ist nicht der Mensch, den ich vor Augen habe. Das ist der Mensch, der ich wirklich bin und der sehr wohl liebenswert ist. In diesen Augen bin ich schön. Schön durch die Liebe“. Wie man wissen könne, dass Gott einen wirklich liebe? Dass die Menschen um einen herum einen wahrhaftig schön fänden? „Wissen kann ich es nicht, ich glaube daran und für den Glauben brauche ich Vertrauen. Auf Gottes Liebe. Liebe, durch Gott. Schön, durch die Liebe. Liebe, durch Vertrauen“. Pastorin Teske schließt mit dem abgewandelten Kehrvers: „Spieglein, Spieglein gib nur acht, ich bin wunderbar gemacht“.

Nach dieser Predigt in ungewohnter Form dürfen die Besucherinnen und Besucher auch endlich den Umschlag vom Anfang öffnen: Darin finden sie eine Spiegelkarte mit der Überschrift „Hier siehst Du das Wertvollste auf der Welt“. Rundherum freudige Gesichter, schmunzelnde und leise lachende Menschen. Gemeinsam sprechen alle den einzigen Teil des Abends, der allen bekannt und vertraut sein dürfte: Das Vaterunser.

Das Experiment ist gelungen, nicht nur in den Augen der beiden jungen Frauen, die hinterher sichtlich entspannt und zufrieden noch ein Glas Wein trinken. Auch Clemens Drews, der Chef der Bäckerei, freut sich sichtlich: „Eigentlich bin ich nicht für Kirche zu haben, die Missstände sind nicht wegzudiskutieren. Aber Josephine hat mich schnell überzeugt von ihrer Idee, meine Zusage habe ich nicht bereut: Der Abend ist ganz großartig!“ Klingt, als wäre das der Auftakt einer längeren Reihe, es soll schon Ideen für weitere Veranstaltungen geben. Auch für Propst Matthias Krüger ist klar: „Ein spannender Gottesdienst in einer super Location, bei der trotz aller weltlicher Impulse das Evangelium durchdringt – davon können wir gern mehr haben“. Und wie bei jeder wirklich guten Feier, bleiben viele Menschen noch länger, bei einem Berliner, einem Glas Wein und einem guten Gespräch.

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