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Pastorin Frauke Bregas im "Haus Porsefeld".

20.02.2019

Rendsburg - Pastorin Frauke Bregas arbeitet unter anderem als Seelsorgerin im Hospiz "Haus Porsefeld" hier berichtet sie von ihrer Arbeit:

Einmal in der Woche öffne ich die Tür zum „Haus Porsefeld“, dem Hospiz der Pflege LebensNah in Rendsburg. Es liegt am Mühlengraben 2, mitten im Zentrum. Parkplatz ist begrenzt, der Autoverkehr und die Bahn rauschen vor den Fenstern dahin. Menschen bewegen sich in alle Richtungen durch die Stadt.

Kaum drinnen, streicht mir Samson, der Kater des Hauses, um die Beine. Und wenn es draußen zu kalt ist, sitzen die RaucherInnen im Wintergarten, um gemeinsam zu schmöken und zu klönen, BewohnerInnen und auch Angehörige.

Heute brennt eine große weiße Kerze im Flur - ein Mensch ist für immer gegangen. Sein Name steht im aufgeschlagenen Buch, darauf liegt ein Kreuz, wie zum Festhalten. Auf demselben Tisch eine schöne Decke, Blumen.

Im ersten Stock begrüße ich eine der Pflegekräfte, die im Schichtdienst rund um die Uhr arbeiten. Auch die Palliativ-Ärzte kann ich hier treffen, wenn sie zum Besuch ihrer PatientInnen kommen.

Es riecht nach Kaffee im Flur - ein Mann mittleren Alters hat sich gerade am Automaten ein Tasse frisch aufgebrüht. Ist er ein neuer Bewohner oder ein Besucher? Ich kenne ihn noch nicht.

Lachen schwingt vom zweiten Stock herunter, zusammen mit einer Frau, die sich angeregt mit einer weiteren Pflegekraft unterhält.

Mein wöchentlicher Vormittag im Hospiz ist jedes mal spannend: Ich weiß nie, wen ich treffen werde. Mal habe ich mich mit einem Menschen verabredet - und wenn ich komme, ist er zu erschöpft zum Reden. Und wir einigen uns, dass Schlafen jetzt definitiv wichtiger ist. Mal bleibe ich schon auf dem Weg durch das Treppenhaus bei einem anderen Menschen hängen, und aus einer zufälligen Begegnung wird ein tiefes Gespräch mit einer Angehörigen.

Ein anderes Mal höre ich, kaum dass ich im Stationszimmer angekommen bin, in welches Zimmer ich unbedingt zuerst schauen soll: „Frauke, da brennt's!“. Und mal teile ich auch z.B. ein Stück Trauer oder Fragen mit den Pflegekräften. Denn keine/r, der/die im Hospiz arbeitet, kann und will dies als „Job“ tun. Wir alle sind - neben unserer Profession - auch als Menschen präsent, lachen und weinen dort. 

Das macht die besondere Atmosphäre in diesem Haus aus: Dass das Mensch-Sein im Vordergrund steht! Dass es hier um das Leben an sich geht, um Gefühle, um Kontakte, um Beziehungen, um den Wert und die Würde und die Sinnhaftigkeit eines Lebens. 

Im Angesicht einer lebensbegrenzenden, nicht mehr heilbaren Krankheit kann es leichter fallen, sich von Belanglosigkeiten zu trennen. Es geht immer nur noch um das Wichtigste - das Leben. Für viele Menschen, die ein Zimmer im Hospiz beziehen, gab es lange ein Kreisen und Kämpfen rund um die Krankheit. Jetzt versuchen ÄrztInnen, Pflegende, Physio- und MusiktherapeutInnen, Ehrenamtliche des Hospizdienstes und auch ich als Seelsorgerin, mit den Menschen zusammen einen Zustand zu erreichen, in dem sie ihrer Krankheit eine andere Bedeutung geben können.

Nicht dem Leben mehr Tage, sondern den Tagen mehr Leben schenken, das wird oft zum Ziel, das Menschen im Hospiz teilen. Natürlich kommen ggf. auch Brüche im Leben noch einmal zum Vorschein, Verletzungen, aber auch große Lebensschätze werden voller Liebe ausgebreitet und miteinander geteilt. Geschichten, Menschen, Erinnerungen, Begegnungen.

Bilder und persönliche Gegenstände im eigenen Zimmer, individuell für einen zubereitete Lieblingsgerichte, Besuch des eigenen Hundes im Hospiz, eine Spaziertour im Rollstuhl, um im Café gemeinsam eine heiße Schokolade und frischen Kuchen zu genießen. Es gibt viele Dinge, die   dem Leben auch im Hier und Jetzt Gehalt und Freude schenken. Auf einmal, erzählt ein Mann, tauchen hier Bekannte auf und kommen immer wieder zu Besuch, mit deren Treue er nie gerechnet hätte. Und andere -  Enttäuschung klingt an - sind auf einmal nicht mehr da, seit er im Hospiz lebt.

Wer es nicht erlebt hat, kann es sich kaum vorstellen, aber ich finde immer wieder: Es ist Leben, (nicht Sterben!), was das Hospiz bietet. Schmerzfrei und mit der Zusage, nicht allein zu sein und keine Angst haben zu müssen, darf jeder Mensch hier seinen Weg gehen. Jede/r wird mit den eigenen Wünschen geachtet und gehört, so es irgend machbar ist. Wenn die Schmerzen im Griff sind, wenn die Pflege keine Sorgen mehr macht, gibt es für den/die Erkrankte/n und die Familie auch manchmal endlich Zeit für anderes: Zeit, nach Worten für das zu suchen, was noch gesagt werden muss, oder das zu tun, was noch getan sein soll.

Es ist ein Sich-Schenken und ein Beschenkt-Werden, und zugleich immer wieder auch ein Trauern und Abschiednehmen. Seit fast zwei Jahren bin ich nun als Seelsorgerin im Hospiz tätig - doch ich habe in dieser Zeit auch meine Mutter dort untergebracht und war bei ihr, als sie im „Haus Porsefeld“ starb. Ich kenne das Hospiz durchaus von verschiedenen Blickwinkeln - und bleibe dabei: Es ist ein Ort, der ihr und uns als Familie ganz viel Leben geschenkt hat. Und in dem ich selbst als Seelsorgerin immer wieder neu das Leben mit Menschen entdecke, wenn eine Begegnung gelingt. Und wenn ich persönlich einmal schwer erkranken sollte, so dass ich zu Hause nicht mehr leben kann, sage ich heute schon voller Hoffnung und mit tiefer Überzeugung: Bitte bringt mich dann ins Hospiz! 

Weitere Eindrücke und Informationen rund um unser Rendsburger Hospiz sowie ein zehnminütiges Video finden Sie unter

https://www.pflegelebensnah.de/einrichtungen/hospiz-haus-porsefeld

Aber noch viel besser - vielleicht klingt es seltsam für Sie, aber es ist tatsächlich o.k.: Schauen Sie doch einfach mal rein und machen Sie sich selbst ein Bild!

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