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Raum geben für vertraute Melodien und gute Worte: Bischof Gothart Magaard

Mehr als 50 Menschen verfolgten in St. Nicolai den Vortrag des Bischofs. - Fotos: Michael Jordan

12.07.2019

Eckernförde – „Der feinste Humor zeigt sich in unserer Fähigkeit, über uns selbst lachen zu können. Wie wurden wir jüngst in der Abschlusspredigt des Kirchentages bezeichnet? ‚Gottes geliebte Gurkentruppe’. Ich finde mich darin wieder. Sie vielleicht auch?“

Der dies am Donnerstagabend sein gut 50-köpfiges Publikum in Eckernfördes Nicolaikirche fragte, wollte die Ernsthaftigkeit eines christlichen Lebens beileibe nicht weglachen. Das stünde einem Amtsträger der evangelischen Kirche auch nicht gut zu Gesicht. Doch Gothart Magaard, Bischof im Sprengel Schleswig und Holstein, sollte die Frage beantworten, was christliches Leben für ihn ausmache – und dazu gehört in seinen Augen auch der Humor, „diese feine und feinsinnige Weise, zu sich selbst in Distanz zu gehen“.

Magaard war der dritte Redner in der Veranstaltungsreihe „Religion in der Nachbarschaft“. Sie begleitet über vier Wochen hinweg in St. Nicolai die Ausstellung „#Religramme“, die mit 20 Porträts von 20 Glaubensrichtungen buchstäblich Gesicht zeigt und den Dialog zwischen ihnen stärken soll. Walter Joshua Pannbackers Gedanken zu „Jüdisch leben“ eröffneten die Reihe, Ursula Hegger setzte mit „Buddhistisch leben“ fort, kommenden Donnerstag wird sie Abu Ahmed Jakobi mit dem Thema „Muslimisch leben“ beschließen. Diese Woche nun also: der evangelisch-lutherische Bischof.

Wieder und wieder: die Musik...

Der 63-Jährige wollte das Thema „Christlich leben“ aus seiner persönlichen Perspektive erörtern, als Christ, als Bischof und in der heutigen Zeit. Und daher wob Gothart Magaard mehrere Beispiele aus seinem eigenen Leben und Erleben ein. So müsse er „wieder und wieder erzählen von der Musik – vom Hören und Mitsingen und davon, dass verschiedene Stimmen erst den ganzen Reichtum der vielfältigen Weisen christliches Leben zu gestalten erfahrbar machen“. Der Gesang und das gemeinschaftliche Gebet gehörten zu seinem Christsein, so Magaard, seit er Mitte der 1970er Jahre als Zivildienstleistender anderthalb Jahre im französischen Taizé verbracht habe. „Verschiedene Stimmen machen erst den ganzen Reichtum der vielfältigen Weisen erfahrbar, christliches Leben zu gestalten.“

In den Sterbehäusern Kalkuttas wiederum habe er gelernt, „dass ein christliches Leben nicht auf Inseln der Glückseligen geführt werden kann, wenn rundherum das Leben abgründig ist. Für viel zu viele Menschen. Bis heute. Mitten unter uns.“ Christliches Leben benötige daher auch „den Mut, unkonventionell und, wo es um des Evangeliums willen nötig ist, auch politisch zu sein, das Wagnis zu wagen, christlich, anders, wo nötig gegen den Strom zu leben“, sagte Magaard. Die Lektüre der Bibel ermutige dazu.

...und die Vergewisserung des Glaubens

Das christliche Leben ist überdies kein abgeschlossener Akt voller starrer Rituale. Es bedürfe der ständigen und bewussten Vergewisserung, sagte Magaard: „Der Glaube trägt sich nicht selbst.“ Wir könnten uns eine solche Vergewisserung nicht verordnen, ihr aber Raum geben – und dann spreche Gott uns an: „durch vertraute Melodien, durch gute Worte, durch einen Segen, durch diesen einen Satz in einer Predigt, der uns eine neue Welt öffnet“.

Zum christlichen Glauben gehöre Gemeinschaft wie etwa beim Singen oder auf dem Kirchentag – doch eben auch das Für-Sich-Sein, so Magaard: „Es ist nötig, dass ich mich vor Gott spüre, als Individuum, als Geschöpf, ganz unverstellt: ohne Maske, ohne Scham, ohne Schauspiel oder Fassade.“ Er denke da „an die Menschen, die ganz für sich eine Kerze entzünden, an die, die sich im Gottesdienst ein wenig abseits hinsetzen, oder an die vielen Pilgerinnen und Pilger, die Gott und sich selbst im Gebet und in der Meditation, im Gehen und Schweigen auf die Spur kommen.“

Der Bischof war nun ruhig und ernst. Als Tourismuspastorin Brigitte Gottuk ihn aber fragte, wie er sich denn verabschieden wolle, da lächelte Gothart Magaard. Drei Strophen von „Der Mond ist aufgegangen“ konnten alle auswendig. Für die meisten war das Lied im weiten lichten Raum von St. Nicolai sicher der gute Ausklang eines lehrreichen Abends – und dem Einen oder der Anderen eine Vergewisserung. Wie hatte Magaard zuvor festgestellt? „Gott, meine Damen und Herren, ist ein Freund des Lebens.“


Mit „Muslimisch leben“ von Abu Ahmed Jakobi schließt am kommenden Donnerstag, den 18. Juli um 18.30 Uhr in der Nicolaikirche Eckernförde die Vortragsreihe „Religion in der Nachbarschaft – Leben und Glauben im Alltag“. Die Ausstellung „#Religramme – Gesichter der Religionen“ ist dort noch bis 21. Juli zu erleben: mo 10-13 Uhr, di-so 10-17 Uhr.

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