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Die Autorin des Textes, Cristina Gerth, in der Kindertagesstätte

14.03.2017

Morgens in der Kita: Es ist noch Bringzeit, dh. einige Kinder kommen von ihren Eltern begleitet in den Gruppenraum. Die Erzieherin begrüßt jedes Kind und Elternteil. Die Mutter möchte „nochmal schnell loswerden“, dass Oma heute das Kind abholt und der Kindersitz für das Auto um die Ecke steht. Peter, das Kind erzählt, dass heute Oma- Tag ist, und sie später zum Tierpark gehen wollen. Julius geht gerade daran vorbei Richtung Waschraum und sagt: „Ich muss mal aufs Klo!“ Sabine, Rudolf, Edwin und Elsa verkleiden sich, und rufen aus der Situation heraus: „Schau mal, wie schick wir sind. Wo sind bloß die Klackerschuhe?“ Birte, Hans und Kevin streiten lauthals um eine Baukiste auf dem Bauteppich. Hans fängt an zu weinen. Die Mutter verabschiedet sich und wünscht uns einen schönen Tag. Dann schreit Julius aus dem Waschraum „Fertig!“. Klarissa steht mit einem Buch vor der Erzieherin. „Kannst du mir mal vorlesen?“- ein ganz „normaler“ Tag in einer Kita. Alles, aber bitte sofort! Augenblick mal!

Für uns Erzieher ist es manchmal gar nicht so einfach zu entscheiden, was oder wer jetzt am Wichtigsten ist. Ist es das Kind auf der Toilette oder der kleine Hans, der weint?! Oder doch vielleicht Klarissa, die das Vorlesen mit Kuscheleinheiten verbindet, die sie jetzt unbedingt braucht. Die Kinder leben in ihrer Gegenwart, in ihrem „jetzt“. In ihren Gedanken muss alles möglichst sofort passieren. Jede Idee, jedes Gefühl muss und wird sofort ausgelebt. Die Kinder sind dabei ganz wahrhaftig. 

Dabei lernen sie, je älter sie werden, immer mehr Geduld zu üben und abzuwarten. Aber manchmal fühlt sich diese „Wartezeit“ halt wie 7 Wochen an. Je kleiner die Kinder sind, wir betreuen Kinder im Alter von 10 Monaten bis zu fast 7 Jahren, desto schwieriger ist ihnen der Satz „…einen Augenblick mal!“ im wahrsten Sinne des Wortes begreifbar zu machen.

Aber geht es uns Erwachsenen nicht oft genauso? Häufig muss alles „schnell“ gehen, denn das nächste Ereignis steht schon vor der Tür und wir können es kaum erwarten. 

„7 Wochen ohne“ ist für den einen oder anderen, eine Zeit sein Blickwinkel zu verändern, einmal inne zu halten und sich zu besinnen. Man nimmt Dinge ganz anders wahr. Man entdeckt wieder ganz neue Saiten an sich und anderen.

Vielleicht können wir hier auch unser kindliches Auge schweifen lassen, denn die Kinder nehmen auch die Kleinigkeiten im Leben mit allen Sinnen wahr und wichtig: den Regenwurm, die erste Blüte nach dem Winter, die Traurigkeit, wenn ein anderer weint oder auch die Freude, wenn der Turm, den man mit Freunden gebaut hat, steht. Sie erschließen sich die Welt immer wieder neu und haben ganz individuelle Herangehensweisen, Fragestellungen auf den Grund zu gehen. 

„Mit Gott groß werden“ bedeutet für uns Erzieher jeden Tag uns mit den Kindern auf den Weg machen zu dürfen, Gottes Welt immer wieder neu und mit allen Sinnen zu entdecken. Jedes Gefühl, jede Entdeckung und jeder Lernerfolg wird dabei intensiv erlebt. 

So zählt jeder Augenblick als wertvolle Erfahrung: Das Begleiten des Kindes in der Sauberkeitserziehung, das Bewundern und Zuhören beim Schlüpfen in andere Rollen, um neue Blickwinkel zu entdecken, das Bestärken des Erlernens der Konfliktlösungen und nicht zum Schluss das Genießen der kuschligen Zweisamkeit beim Vorlesen.

Dabei immer wieder das Geschehene zu reflektieren und in Frage zu stellen. Durch Gespräche in kleinen oder auch in großen Kreisen, wie unser wöchentlicher Freitagskreisgottesdienst, haben wir die Möglichkeit inne zu halten. Aber nicht nur die Kinder sondern auch die Eltern und wir nehmen uns bei den Proben des Krippenspiels immer wieder Auszeiten, um unseren Blickwinkel bewusst zu verändern, neue Rollen auszuprobieren, Begabungen zu entdecken oder durch viele tiefgreifende Gespräche andere Saiten an anderen Menschen feststellen zu können.

Im Laufe eines Tages, der Woche und des Jahres gibt es viele Zeiten des Besinnens, des Innehaltens und die damit verbundene Wertschätzung unseres Tuns.

Vielleicht sollten wir mal aus unserem Alltag ausbrechen, wieder für die kleinen Dinge des Lebens ein Auge haben, etwas Neues wagen, auch wenn es danebengehen kann, dankbar für kleine Erfolgserlebnisse sein und unseren Gefühlen Ausdruck verleihen! 

Gott sei Dank darf ich die Kinder begleiten und so viel Dinge immer wieder neu und anders erleben.

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