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Propst Matthias Krüger begrüßte die Gäste in der Rendsburger Christkirche.

Rund 60 Interessierte, darunter um die 15 Jugendliche, kamen zur politischen Diskussion mit Politikern.

Jorik Gander (links) erklärte den Politikern und der Politikerin auf der Bühne, sie sollten sich weniger gegeneinander wenden und stärker darauf schauen, was sie gemeinsam Gutes erreichten könnten. Augf dem Podium von links nach rechts: Sönke Rix (SPD), Johann Wadephul (CDU), Christine Aschenberg-Dugnus (FDP), Gereon Bollmann (AfD), Stefan Karstens (Linke).

01.11.2019

Rendsburg – Rund 60 Interessierte versammelten sich am Dienstagabend im Seitenschiff der Christkirche, um mit Blick auf die Gedenktafeln für die Gefallenen der Weltkriege die großen Themen der heutigen Zeit zu diskutieren. Eingeladen hatte der Kirchenkreis Rendsburg-Eckernförde gemeinsam mit dem Christian-Jensen-Kolleg Breklum (CJK) und der Evangelischen Akademie der Nordkirche zum Demokratiekolleg 2019 mit dem Titel „Wie geht Frieden heute?“. Gefolgt waren als Gäste für das Podium Johann Wadephul (MdB, CDU), Sönke Rix (MdB, SPD), Christine Aschenberg (MdB, FDP), Stefan Karstens (Linke) und Gereon Bollmann (AfD). Christina Ullrich von den Grünen musste kurzfristig absagen. Die Moderation übernahmen Nora Steen (CJK) und Joachim Kretschmar (Akademie der Nordkirche). Das Demokratiekolleg ist ein Format, das so bereits 2017 einmal stattfand, mit denselben Podiumsgästen, damals noch als Kandidatinnen und Kandidaten für die anstehende Bundestagswahl.

„Ich freue mich besonders, dass ich im Publikum so viele Menschen unterschiedlichen Alters sehe“, sagte Moderatorin Steen gleich zu Beginn. Die Altersspanne im Publikum reichte in der Tat von 15 bis 75 Jahren, die gut 15 Jugendlichen interessierten sich vor allem für den Themenkomplex Klimawandel. Das ein oder andere Gesicht konnte man auch bei den letzten Freitagsdemonstrationen auf der Straße gesehen haben. Ein Eingangsstatement kam vom 18-jährigen Jorik Gander, der sich unter anderem in der Jugendkirche engagiert und Teil der Arbeitsgruppe war, die den Abend vorbereitet hatte. „Selbst wenn sie eigentlich einer Meinung sind, schauen viele Politiker und Politikerinnen nur auf das, was sie trennt und gehen eher gegeneinander, als sich darauf zu konzentrieren, was sie gemeinsam Gutes erreichen können. Da sind wir Jugendlichen anders, wenn wir freitags auf die Straße gehen, ist es egal, zu welchem Lager der Mensch neben mir gehört“.

Vor der Veranstaltung hatten die Podiumsgäste drei Fragen gesendet bekommen, auf die sie in drei Minuten antworten sollten. Die Themen: Die Altersarmut als Beispiel für ein mögliches Versagen des politischen Systems, die Wahrung der Menschenwürde mit Blick auf die Pflege und das soziale Miteinander, der Klimawandel.

Sönke Rix: „Der Konflikt besteht nicht zwischen den Generationen“

Johann Wadephul gab zu bedenken: „Egal ob es um die Grundrente oder das Klima geht, wir müssen darauf achten, dass unsere Maßnahmen auch in 20 oder 30 Jahren noch gut funktionieren und keine zusätzliche Belastung darstellen“. Er bat aber auch um Nachsicht bei den Jugendlichen: „Auch für meine Generation war Umweltschutz ein wichtiges Thema, und es ist nicht so, dass wir in dem Bereich nichts getan hätten“. Daran anknüpfend ergänzte Sönke Rix: „Grade beim Klimaschutz sehe ich keinen Konflikt zwischen den Generationen, ich sehe Ältere, die mit auf die Straße gehen, und ich sehe Jüngere, die sich nicht für das Thema interessieren“. Beim Thema Rente gehe es darum, von reich nach arm zu verteilen, nicht von jung nach alt, dann entstehe auch dort kein Konflikt zwischen den Generationen.

Christine Aschenberg-Dugnus konzentrierte sich in ihrem Eingangsstatement stärker auf das soziale Miteinander: „Es treibt mich um wenn ich höre, dass es Jugendliche gibt, die sich nicht trauen, ihre Meinung zu sagen, weil sie Angst vor den Reaktionen haben. Die Basis unseres gemeinsamen Miteinanders scheint verloren zu gehen, da sind wir alle als Gesellschaft gefordert. Wir müssen uns, egal wo, wieder mit mehr Achtung begegnen, Meinungen argumentativ austauschen und uns nicht ständig ins Wort fallen“. Linkenpolitiker Stefan Karstens beantwortete die Systemfrage: „Klares Jein. Unser System hat viele gut funktionierende Elemente, problematisch scheint das Repräsentative zu sein. Ich wäre dafür, das Wahlrecht auch bei Bundestagswahlen auf 16 Jahre zu senken, die maximale Mandatszeit zu beschränken und Volksentscheide zu ermöglichen“. Menschenwürde brauche materielle Grundlagen, erklärte er weiter. Der Vertreter der AfD, Gereon Bollmann, verwies darauf, dass der Klimawandel nicht menschengemacht sei, es dazu also auch keinerlei Maßnahmen bedürfe. „Frieden geht heute genauso, wie schon immer. Wenn wir uns selbst friedlich begegnen, können wir auch anderen friedlich begegnen.“

Rente: Der Generationenvertrag wird durch die demografische Entwicklung bedroht

Im weiteren Verlauf der Podiumsdebatte erklärte Aschenberg-Dugnus, dass eine einfache Grundrente nicht der richtige Weg sei. „Wer gearbeitet hat, muss mehr haben als eine Grundsicherung. Um die Refinanzierung einer solchen Maßnahme auf festen Grund zu stellen, braucht es zudem eine Bedürfnisprüfung“. Karstens ging härter mit den Regierungsparteien ins Gericht: „Das es heute so um unsere Rente bestellt ist, ist das Ergebnis politischer Entscheidungen. Private Vorsorge ist Geringverdienern nicht möglich. Die Sozialsysteme müssen gestärkt werden, der Staat aufhören, auf Einnahmen zu verzichten“. Bollmann erinnerte daran, dass der Generationenvertrag nicht mehr funktionieren könne: „Wir müssen der demografischen Katastrophe begegnen und den Generationenvertrag heilen. Das geht nur über eine Familienpolitik, die wieder mehr Geburten zur Folge hat“. Auch Wadephul sieht eine Schieflage bei der Rentenfinanzierung, verursacht durch politische Fehler. „Aber: Der Bund steckt jährlich 100 Milliarden in die Rentenkasse, um das aufzufangen. Wir müssen dennoch den Tatsachen ins Auge sehen. Wir werden älter, also müssen wir auch länger arbeiten, statt früher zu kassieren.“ Übereinstimmend verwiesen Rix und Aschenberg-Dugnus in dem Zusammenhang auch auf die Fachkräftezuwanderung, Karstens forderte eine gerechtere Umverteilung dessen, was da ist.

Weitestgehende Übereinstimmung herrschte beim Thema Menschenwürde und soziales Miteinander. Hier sei vor allem der Einzelne gefragt, vor der eigenen Tür und im eigenen Umfeld könne eine Menge geschafft werden. Einzig Bollmann verwies darauf, dass eine Differenzierung zwischen „uns und den Fremden“ auch beim Thema Nächstenliebe christlich fundiert sei. Das wies Wadephul umgehend und scharf zurück und erklärte: „Der Samariter hätte sicher keinen Unterschied gemacht!“

Klimawandel: Die Summe individueller Entscheidungen wird nicht ausreichen

Um dem Klimawandel zu begegnen, verwies Rix auf das Klimaschutzgesetz, das alle Bereiche umfasse, aber möglicherweise etwas schneller umgesetzt werden müsste. Wadephul konnte dem zustimmen, erinnerte aber auch an die Verantwortung des Einzelnen, zum Beispiel mit Blick auf Urlaubsreisen mit dem Flugzeug. Beiden widersprach Karstens: „Das Klimaschutzpaket belastet vor allem geringe Einkommen und Menschen im ländlichen Raum. Außerdem wird es am Ende nicht die Summe individueller Entscheidungen sein, die den Klimawandel bekämpft. Da muss das große Rad gedreht werden, da sind systemische Lösungen gefordert.“ Für Aschenberg-Dugnus ist ein CO²-Deckel, ergänzt um einen Zertifikatehandel, der richtige Weg, außerdem müsse man bei diesem Thema auch verstärkt in andere Länder schauen und dort unterstützen.

In einer anschließenden Fragerunde kamen Nachfragen vor allem zur schwarzen Null, zum bedingungslosen Grundeinkommen und zum Klimawandel. Erfreut stellte Propst Matthias Krüger am Ende des Abends fest: „Wir haben hier eine gute, anständige und friedliche Debatte geführt und so auch für die demokratische Kultur einen Beitrag geleistet, alle gemeinsam“. Das Format habe sich bewährt, der Kirchenkreis könne sich gut vorstellen, eine wiederkehrende Reihe in Kooperation mit dem Christian-Jensen-Kolleg und der Akademie der Nordkirche daraus zu machen.

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