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Vor dem geschlossenen Eingangsportal der Kirche St. Severin: Propst Matthias Krüger, Pastor Arend Engelkes, Inga Stotz, Elke Carstens (beide Kirchengemeinderat Hademarschen) und Doris Hedrich (Architektin im Kirchenkreis Rendsburg-Eckernförde) (von links)

Die Kirche St. Severin in Hademarschen wurde 2007 wieder eröffnet und 2013 vorerst geschlossen.

Christian (links) und Janneck Johns von Wrobel Beton-, Bohr und Sägetechnik aus Jübek bohren derzeit Löcher in die Wand am Westportal.

Etwa 70 Löcher werden in die Wand des Westportals gebohrt.

Der letzte Gottesdienst fand 2013 in der Kirche St. Severin Hademarschen statt. Seitdem muss die Gemeinde nach Gokels ausweichen.

An der Nordseite sind deutliche Risse zu sehen.

28.03.2018

Hanerau-Hademarschen – An der Kirche St. Severin der Kirchengemeinde Hademarschen haben die Notsicherungsarbeiten begonnen. Deutlichstes Merkmal sind die Arbeiten am Westgiebel der Kirche. Im Zuge der Arbeiten wurde auch die äußere Vermauerung wieder entfernt, die die Türöffnung seit 2013 verschlossen hat. Betreten werden kann die Kirche jedoch noch nicht durch das Hauptportal. Der ganze Westgiebel ist eingerüstet, die Türöffnung für die aktuellen Bauarbeiten mit einem Holzgerüst gesichert und weiterhin sorgt ein Bauzaun dafür, dass Passanten nicht durch die Bauarbeiten gefährdet werden können.

Es handelt sich bei diesen Aktivitäten an der 2013 geschlossenen St. Severin Kirche um Notsicherungsmaßnahmen. Die beteiligten Firmen wollen vorerst versuchen, die Mauern der Kirche zu sichern. Insbesondere im Westportal sind Risse in der Wand zu sehen, einzelne Feldsteine waren zwischenzeitlich herausgefallen. Ursache für diese massiven Schädigungen ist der falsch eingebrachte Mörtel. Er war nach dem Brand der mittelalterlichen Kirche zu Weihnachten 2003 beim Wiederaufbau in das historische Mauerwerk injiziert worden, um dieses zu „ertüchtigen“. Seitdem geht die Mischung aus Gips, zementhaltigem Verpressmörtel und Wasser auf wie ein Hefeteig und „sprengt“ das Mauerwerk auseinander. Ursache dafür ist eine verheerende chemische Reaktion, die durch Wasser ausgelöst wird.

Nach der Neueröffnung der Kirche 2007 zeigten sich bereits 2008 erste Risse. 2013 schließlich entschied sich der damals amtierende Kirchengemeinderat, die Kirche bis auf weiteres zu schließen. Zuvor war schon das Hauptportal kraftbündig zugemauert worden. Inzwischen sind die Verantwortlichen für diese Baufehler in einem langwierigen juristischen Verfahren in erster sowie in zweiter und damit in letzter Instanz zur Leistung von Schadensersatz verurteilt worden.

„Wir haben gewonnen“, fasst Pastor Arend Engelkes zusammen. Was der Sieg vor Gericht genau bedeutet, ist aber noch nicht klar. Sicher scheint, dass die Kirchengemeinde Hademarschen eine Entschädigung für die bislang aufgelaufenen Kosten bekommt. „Außerdem haften die Planer als Gesamtschuldner für die Schäden und müssen für die Kosten der Notsicherung sowie für die Instandsetzung aufkommen“, erläutert Rechtsanwalt Dr. Jürgen Punke aus Kiel, der die Kirchengemeinde juristisch vertritt. Damit aber alle anstehenden Sicherungsmaßnahmen und die darauf folgende Instandsetzung von den gegnerischen Parteien bzw. deren Versicherungen anerkannt und übernommen werden, müssen auch die weiteren Arbeiten von einem Gutachter begleitet werden.

Laut Architekt Werner Grage, der zusammen mit dem Bauingenieur Prof. Bernd Guericke die Notsicherungsarbeiten geplant hat und die Arbeiten begleitet, kann die Dauer der aktuellen Maßnahmen nicht seriös geschätzt werden. Der Architekt plant für das Mauerwerk der Westwand ein Korsett aus Stahl und Keilen sowie einen Schutz gegen Witterung und Niederschlag für das stark beschädigte Mauerwerk. Ziel ist es, die Mauer zu stabilisieren und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass Gips und Mörtel nicht durch immer mehr Wasser zu erneuten Reaktionen gebracht werden. „Wir arbeiten auf Sicht“, sagt Grage. „Ich weiß nicht, wie lange das dauert.“ Rechenmodelle für diese Arbeiten gebe es nicht. „Wir müssen schauen, ob das klappt.“

Da viele Steine im Mauerwerk schon jetzt locker sitzen und unklar ist, wie sie sich im Zuge der Notsicherungsmaßnahmen verhalten, sei erhöhte Vorsicht geboten. Ein Sicherheits- und Gesundheitsschutzkoordinator überwacht die Arbeiten, alle Handwerksbetriebe wissen um die Besonderheit der Baumaßnahme, so Grage. Neben ihm, der Bauabteilung des Kirchenkreises Rendsburg-Eckernförde, dem Baudezernat des Landeskirchenamtes, dem Landesdenkmalschutz sowie dem Statiker Klaus Reichenberger aus Eckernförde begleitet auch Prof. Guericke von der Hochschule Wismar das außergewöhnliche Projekt in Hanerau-Hademarschen. „Wir betreiben hier experimentelle Bauforschung“, meint Architekt Grage. Und zudem sei es mit den Arbeiten am Westportal vermutlich noch nicht getan. Auch an der Südseite zeigen sich vermehrt Schäden.

Für die Kirchengemeinde bedeutet die Schließung ihrer Kirche weiterhin einen erheblichen Einschnitt in das Gemeindeleben. Gottesdienste können nur in der St. Johannes Kirche in Gokels gefeiert werden, was sich auch in der nächsten Zeit kurzfristig nicht ändern wird. Auf den Kirchengemeinderat wartet noch viel Arbeit und auch die Gemeindemitglieder müssen sich weiter in Geduld üben.

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