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Prof. Dr. Fernando Enns bei seinem Vortrag im alten Satssaal.

Stadt und Kirche veranstalteten den Abend gemeinsam. Das Foto zeigt (v.l.) die stellvertretende Stadtpräsidentin Inge Bartholdt, Prof. Dr. Fernando Enns, Propst Matthias Krüger und Bürgermeister Pierre Gilgenast

Für die musikalische Untermalung des Abend sorgten Olaf Carstensen (Klarinette) und Kirchenmusikdirektorin Katja Kanowski am E-Piano.

25.10.2018

Rendsburg – Es ist ein großes Thema, das Prof. Dr. Fernando Enns im alten Rendsburger Ratssaal aufruft. Der Friedenstheologe von der Universität Hamburg spricht in der traditionsreichen Reihe „Stadt – Kirche“ über den „gerechten Frieden“ und was die Kirchen, die Religionen dazu beitragen können. Gemeinsam eingeladen wurde er von Kirchenkreis, Kirchengemeinden und Stadt. Nun spricht er im historischen Saal über ein Thema, das die Menschen in Stadt und Kirche bewege, so Rendsburgs Bürgermeister Pierre Gilgenast bei seiner Begrüßung. Ein Thema, das heute ganz besonders aktuell sei, weil viele Kriege im Namen Gottes geführt würden, ergänzt Rendsburgs Propst Matthias Krüger. Wie aber könnten Kirchen zu Friedenstiftern werden, wie Gewalt überwunden? Diese großen Fragen stellte der Propst zu Beginn. 

Um sie zu beantworten und den „gerechten Frieden“ zu bestimmen schlug Fernando Enns einen großen Bogen vom Ersten Weltkrieg über den Krieg im Jemen bis zur Verantwortung eines jeden Menschen. Die Religion, die Kirchen spielten dabei für den ordinierten Mennonitenpfarrer und Mitglied des Zentralausschusses des Ökumenischen Rates der Kirchen eine entscheidende Rolle. Er erinnerte daran, dass Gott zu Beginn des Ersten Weltkriegs nationalistisch reduziert wurde, und die Soldaten mit dem Satz „Gott mit uns“ in den Krieg zogen – auf beiden Seiten. 

„Es waren allesamt getaufte Christen, die sich abgeschlachtet haben“, sagte Enns. Wie konnte das sein? Und: „Wer würde nach dem Töten des Ersten Weltkriegs jemals wieder denken können, dass ein Krieg gerecht sein könnte?“. Einen gerechten Krieg gibt es für Enns nicht, auch wenn die Vorstellung davon bis heute existiere. Heute heiße es „Responsibility to Protect“, zitiert Enns die vorgebliche „Schutzverantwortung“ auf deren Basis gerechte Kriege geführt würden – angeblich um des Friedens willen. Soldaten könnten aber keinen Frieden schaffen, dazu seien sie gar nicht ausgebildet- 

Die Kirchen hingegen könnten, wenn sie ihre Botschaft ernst nähmen, bei der Schaffung eines gerechten Friedens helfen. Eines Friedens, der mehr sei als die Abwesenheit von Krieg, so Enns. Gerechter Friede habe gerechte Beziehungen zur Grundlage und um Beziehungen gehe es schließlich auch in der Kirche. Schließlich sei die Essenz des Christentums die Feindesliebe, die Gnade Gottes. Gott ziehe die Gewalt auf sich und überwinde Grenzen, so Enns. 

Schon zu Beginn des Ersten Weltkriegs gab es nicht nur die Kriegsbefürworter in den Kirchen. 1914 gründete sich der Weltbund für die Freundschaftsarbeit der Kirchen. Es war eine erste ökumenische Vereinigung, die von der Vorstellung einer Einheit der weltweiten Christenheit als eines Leibs Christi ausging. 1919 entstand dann auf ähnlicher Basis der Internationale Versöhnungsbund und 1948 der Ökumenische Rat der Kirchen. Im Dialog der weltweiten Christenheit werde das Friedenspotential der Kirchen sichtbar, sagt Enns. Denn hier kämen die Betroffenen zu Wort, hier teilten die Menschen von einem Ende der Erde ihre Erfahrungen mit denen des anderen Endes. „Das führt zum gerechten Frieden.“ 

Enns berichtete von den Erfahrungen bei der Arbeit am „Ökumenischen Aufruf zum gerechten Frieden“, bei dem Christen aus Syrien, aus Griechenland oder Uganda diskutiert und um gemeinsame Formulierungen gerungen hätten. Aus dem Aufruf zitiert auch das Positionspapier der Nordkirche zum gerechten Frieden aus dem vergangenen Jahr. Enns lobte das Papier, kritisierte aber, dass die Essenz und damit auch die politische Relevanz des Glaubens darin ein wenig zu kurz kämen. Schließlich hätten herausragende Gestalten der weltweiten Friedensbewegung, er nannte unter anderem Martin Luther King, Mahatma Ghandi und die aktuelle Friedensnobelpreisträgerin Nadia Murat, ihre Kraft aus ihrer jeweils eigenen Spiritualität geschöpft. Ohne ihren Glauben sei ihre Wirkung nicht denkbar. 

Enns sprach sich in der Diskussion gegen eine Relativierung der Wahrheit des Glaubens aus, denn ein Relativist könne keinen Dialog führen. „Ich rede mit einem Muslim, weil ich überzeugt davon bin, woran ich glaube und möchte das auch von ihm hören“, sagt Enns. Gleichzeitig sei es klar, dass der Mensch Gerechtfertigter und Sünder zugleich sei. Dies dürfe keine Entschuldigung, sondern müsse Basis für die stetige Suche nach der Wahrheit sein. Und was den Frieden angeht, da gebe es keine Sicherheit, wie sie von der Politik gerne beschworen werde. „Frieden ist immer ein Wagnis.“

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