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Gemeindepastor mit einem Herz für die kirchliche Sozialarbeit

  • Pastor Rainer Kluß

Eckernförde - Es gibt so vieles, was hier in der Kirchengemeinde Borby seine Handschrift trägt. Da gibt es das Familienzentrum, die Männerkochgruppe, den Gesprächskreis, die Kirchenwächter und das Seniorenfrühstück, die unzähligen Freizeiten für Jugendliche und Erwachsene und natürlich den Posaunenchor. Zwei Jahrzehnte lang betreute er den Borbyer Kindergarten. Über 35 Jahre hat Rainer Kluß gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen, Kirchenvorständen und Ehrenamtlichen Kirche in Borby mitgestaltet und geprägt. Immer wieder setzte er neue Impulse. Betriebsblind nach all den Jahren? Das wollte er nie sein. Aktiv sein, sich weiterentwickeln, Kirche vorantreiben: Das war ihm wichtig. Am Sonntag, 28. August, 14 Uhr, wird der 64-Jährige im Rahmen eines Gottesdienstes in der Borbyer Kirche in den Ruhestand verabschiedet. Die Kirchengemeinde Borby lädt herzlich zu diesem Gottesdienst ein.

Dankbar schaut er auf die Zeit in Borby zurück. „Mein Herz ist übervoll dank dieser wunderschönen Zeit“, sagt Kluß. Der gebürtige Lübecker hatte in Kiel Theologie studiert und absolvierte danach sein Vikariat in Bredstedt. „Zur Kirche kam ich durch die Posaunenarbeit“, berichtet er. Mit zehn Jahren startete er im Posaunenchor in Ascheberg, wo seine Familie damals lebte. Dort habe er eine tolle Gemeinschaft kennengelernt. So habe er einen Zugang zum Glauben bekommen. Dank der Musik öffneten sich für ihn noch weitere Türen: Über die Chorarbeit lernte er seine Frau kennen und er kam so nach seinem Vikariat nach Borby. Dort übernahm er auch gleich die Leitung des kirchengemeindlichen Posaunenchores.

Aber es gibt noch einen weiteren roten Faden, der sich durch sein Berufsleben zieht. Es ist die diakonische Arbeit, für die sein Herz schlägt. 1989 besuchte er als junger Pastor auf einer Reise nach Washington/USA eine christliche Gemeinde, zu der gerade zwölf Personen gehörten. Diese Gemeinde unterhielt ein Krankenhaus, eine Suppenküche, eine Obdachlosenunterkunft und einen Kinderhort. Kluß beeindruckte dieses soziale Engagement. Damals hörte er von der Bewegung „Social Gospel“ zum ersten Mal. Diese kirchliche Sozialarbeit wurde für ihn zu einem Motor. Auch in Borby wollte er so arbeiten. Er entwickelte niederschwellige Angebote, um Menschen neugierig für Kirche zu machen und sie in Kontakt mit der Gemeinde zu bringen. Beziehungen knüpfen - für ihn eine Kernaufgabe. „Nur so kann Glaube und Gemeinde gelebt werden“, sagt er. „In Borby zu Hause“, das Motto der Kirchengemeinde, hat er verinnerlicht. Er hat Familien über mehrere Generationen begleitet. Taufen, Hochzeiten, Konfirmationen, Jugend- und Erwachsenenfreizeiten, Beerdigungen: Kluß ist mittendrin gewesen. Als Prediger war es ihm wichtig immer konkret und möglichst anschaulich zu sprechen. Dass der Glaube im alltäglichen Reden und Handeln etwas austragen muss, um sich der Taufe als würdig zu erweisen, war ihm immer wichtig. „Gott in der Beziehung zu unseren Nächsten zu finden, war mir immer vordringlicher als im Himmel nach Gott zu suchen“, so seine Worte.

Mit dem Familienzentrum, das seit 2006 besteht, entwickelte er mit anderen ein für die Gemeinde wegweisendes diakonisches Projekt. Von Beginn an übernahm er den Vorsitz des Trägervereins. Kinderturnen, Mittagstisch, Deutschkurse, Hausaufgabenbetreuung, Kinderferienbetreuung, Spielkreise und Beratungsangebote haben im Familienzentrum seitdem ihren Platz. Gleich nebenan im Gebäude am Saxtorfer Weg befindet sich die Tafel des Diakonischen Werkes des Kirchenkreises Rendsburg-Eckernförde, ein weiterer Ort gelebter christlicher Nächstenliebe, die Kluß wichtig ist. Einige Jahre war er auf Kirchenkreisebene Beauftragter für die Diakonie und war stellvertretender Vorsitzender des damaligen Diakonievereines. Zusätzlich brachte er die Notfallseelsorge im Altkirchenkreis Eckernförde zum Laufen und war lange Ansprechpartner für diesen Bereich.

Nun stehen die Zeichen auf Veränderung, nicht nur bei ihm, auch in der Gemeinde. Die Kirchengemeinden St. Nicolai und Borby führen Fusionsgespräche. Bald könnte aus zwei Gemeinden eine werden. „Ich kann das jetzt gut abgeben“, sagt Kluß. „Es macht mir Freude zu sehen, was sich da Tolles entwickelt.“ Mit seinen direkten Kollegen Ole Halley und Jan Teichmann habe er gern zusammengearbeitet. Nun sei die Zeit für etwas Neues. Eckernförde und der Gemeinde bleibe er aber verbunden. Seine Frau und er werden weiterhin in der Stadt wohnen. In Zukunft möchten sie häufiger mit ihrem VW-Bus reisen. Außerdem freut sich Kluß auf mehr Zeit fürs Malen. Dieses Hobby hat er 2012 in seinem Sabbatical für sich wieder entdeckt. „Ein Jahr werde ich aber auf jeden Fall Abstand vom Gemeindeleben nehmen“, sagt Rainer Kluß. Zwei Ausnahmen gibt es: Er wird weiterhin Teil des Posaunenchores sein und Mitglied im Familienzentrum bleiben. „Social Gospel“ und die Musik werden ihn weiterhin begleiten.

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