Aufschrift Frieden braucht mehr, Umriss Taube aus bunten Herzen

Ein Herz für Kirche, Diakonie und Demokratie: Pastor Karsten Struck geht in den Ruhestand

Karsten Struck, Referent der NGD und früher Pastor in Rendsburg, geht in Rente. Abschiedsgottesdienst ist am Freitag, 11 Uhr, in St. Marien.

  • Abschied: Pastor Karsten Struck verlässt sein Büro in der NGD und tritt seinen Ruhestand an.

Rendsburg – Mitten im Büro in der Steglitzer Straße 9 in Rendsburg stehen halbvolle Umzugskartons. Pastor Karsten Struck nimmt das gerahmte Schwarz-Weiß-Foto der Rostocker Petrikirche von der Wand: „Dort bin ich konfirmiert worden; mein Vater war da Pastor.“ Struck begann 1978 in Rostock Theologie zu studieren. „Auf einer Freizeit in Ungarn habe ich meine erste Frau, eine Kielerin, kennengelernt“, berichtet er. So stellte er 1982 einen Ausreiseantrag. Zwei Jahre später durfte er die DDR verlassen. „Joachim Gauck hat uns nach der Wende getraut; er hat uns jungen Leuten als Jugendpfarrer immer wieder Rückhalt gegeben“, schildert der heute 66-Jährige. Von 1985 bis 1989 führte er sein Studium in Kiel fort; in dieser Zeit kamen auch die beiden Kinder zur Welt. 

Das kleine Modell der Rendsburger Marienkirche, das in einem Regal steht, wird vorsichtig im Karton verstaut. Von 1992 bis 94 war Struck Vikar in St. Marien. Und nach seiner ersten Pfarrstelle in Aukrug kehrte er 1997 nach Rendsburg zurück, um an der Bugenhagenkirche tätig zu sein. Dort etablierte er mit einem Team ein offenes Jugendangebot. „Das Diakonie-Hilfswerk lag in meinem Gemeindebezirk, sodass ich dort auch ab und zu Andachten gehalten habe“, erzählt er. Daraus ergab sich, dass er seine Stelle 2002 um 50 Prozent reduzierte und bei der Diakonie mit 50 Prozent anfing. Aus 50 Prozent wurden 2008 dann 100 Prozent. Als theologischer Referent hat er dort unter anderem Fortbildungen gegeben. 2005 schlossen sich das Diakonie-Hilfswerk Schleswig-Holstein und die Norddeutsche Gesellschaft für Diakonie e.V. unter dem Dach der NGD zusammen, die in Schleswig-Holstein heute rund 5800 Mitarbeitende beschäftigt. Die Buchstaben „NGD“ stehen in der Deutung des Pastors zugleich für „Nächstenliebe, Glaube, Diakonie“. 

Über 500 regelmäßige Andachten und viele weitere Gottesdienste zu speziellen Anlässen hat Struck im Bonhoeffer-Haus, der Zentrale der NGD, und an anderen Standorten gehalten. „Zugleich bin ich immer der Kirchengemeinde sehr verbunden gewesen“, sagt der Senior. Im Jahr 2017 hat er die Projektgruppe für einen Orgelneubau in der Marienkirche übernommen – im letzten Jahr wurde die „Gläserne Orgel“ eingeweiht. Er feiert noch immer Gottesdienste in dieser Kirchengemeinde, singt in der zugehörigen „Stadtkantorei Rendsburg“ und ist unter anderem Mitglied im Musik- und Kulturausschuss der Gemeinde. Das möchte er im Ruhestand fortführen. 

Was ihn umtreibt: „Der Gegenwind gegen die Demokratie nimmt zu und die Position der AfD zur Kirche erinnert mich an meine Zeit in der DDR.“ Er wünsche sich selbstbewusste Reaktionen gegen diese Tendenzen. Nachdenklich legt er einige CDs in einen der Kartons. Er hat sich maßgeblich an Musikproduktionen unter dem Label „KlangRäume“ beteiligt und zum Beispiel Klassikbearbeitungen bei Konzerten in der Christkirche aufgenommen. „Musik war für mich immer ein wichtiger Teil meiner Arbeit“, sagt er. Aus dem Schrank holt er die Gitarre. Nun möchte er an eine Beschäftigung seiner Jugend anknüpfen und wieder Waldhorn spielen. Auch mit seiner Ehefrau und seinen drei Enkelinnen will er mehr Zeit verbringen.

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