Aufschrift Frieden braucht mehr, Umriss Taube aus bunten Herzen

Eng verbunden: Gut Hanerau und Kirche Hademarschen

Die Sanierungsarbeiten an der Kirche in Hademarschen gehen voran. Da die Kirchengemeinde die Sanierung als Chance nutzen möchte, um St. Severin zukunftsfähig zu machen, ist sie auf Spenden angewiesen. Und das auch, um einen geschichtsträchtigen Ort zu erhalten, der eng mit dem Gut Hanerau verbunden ist.

  • Zwei Männer zeigen eine alte Landkarte
    Die Brüder Rolf Martin (links) und Eckart Niemöller zeigen auf einer alten Karte die Lage des Gutes Hanerau.
  • Das Gutshaus des Gutes Hanerau liegt im Grünen.
  • Ein Gedenkstein
    Ein Gedenkstein beim Gutshaus weist darauf hin, dass Johann Wilhelm Mannhardt, früherer Besitzer des Gutes, den Ort Hanerau gegründet hat.

Rolf Martin Niemöller, Bezirksförster für den Bereich Hohenwestedt, der auf dem Gut lebt, und sein Bruder Dr. Eckart Niemöller, Apotheker in Hanerau-Hademarschen, kennen sich mit der Historie gut aus. Sie gehören zu den Nachfahren der früheren Besitzer des Gutes. 

„Nachdem die Kirche protestantisch geworden war, lässt sich die Verbindung zum Gut sehr konkret nachweisen“, erklärt Rolf Martin Niemöller. So trug die 1618 geschaffene Kirchenkanzel eine Inschrift, nach der sie unter Mitwirkung von Marquart Rantzow errichtet worden war. „Der jeweilige Gutsherr war nicht nur Grundbesitzer, sondern übernahm auch als Patron Verantwortung für die örtliche Kirche“, sagt der Apotheker und nennt Paul von Klingenberg, seit 1664 Besitzer von Hanerau, als Beispiel. Er ließ 1671 die alte Orgel der Kirche mit neuen Blasebälgen versehen.

Eine Turmuhr vom König

„Der Patron konnte Kandidaten für die Pfarrstelle vorschlagen, aus denen die Gemeinde anschließend wählte“, erzählt Rolf Martin Niemöller. Zugleich profitierten Kirche und Bevölkerung von Stiftungen. Dorothea von Aderkass, geborene von Rumohr, stellte 1.000 Taler zur Verfügung. Die Zinsen sollten je zur Hälfte dem Prediger und den Armen des Gutes Hanerau zugutekommen. Der dänische König Christian VII., der 1777 Eigentümer des Gutes wurde, schenkte der Kirche eine Turmuhr. 

Eine besondere Rolle spielte Johann Wilhelm Mannhardt, der Gut Hanerau 1798 übernahm. Er ist der eigentliche Gründer des Ortes Hanerau und der Ururururopa der Brüder. Er war Theologe und Kaufmann. „Auf sein Betreiben entstand eine Schule für die Kinder seiner Beschäftigten. Eine Unterstützungskasse half Familien, wenn der Vater wegen Krankheit nicht arbeiten konnte“, berichtet der Apotheker.

Verbindung zur Bekennenden Kirche

Auch spätere Generationen stifteten kirchliches Inventar. Dr. Eckart Niemöller erzählt: „Unser Großvater Karl Niemöller gehörte zur Bekennenden Kirche, die sich gegen Hitler stellte. Als die Glocke von St. Severin nicht mehr funktionierte, hat er das Uhrwerk an der Scheune ausgebaut und dem Gotteshaus überlassen.“ 

Der Apotheker war von 1997 bis 2004 Mitglied des Kirchenvorstands und spielt seit Langem im Posaunenchor, genau wie sein Bruder. Rolf Martin Niemöller ist Mitglied des jetzigen Kirchengemeinderates und wirkt bei besonderen kirchlichen Anlässen als Vertreter des Gutes mit. Aus einer einst rechtlich fest verankerten Beziehung ist eine freiwillige, persönliche Verbindung geworden.

Kirche im Norden