Aufschrift Frieden braucht mehr, Umriss Taube aus bunten Herzen

Haapsalu und Rendsburg: Kirche sucht neue Wege

Krieg und Frieden sowie Veränderungen in der Kirche beschäftigten die estnische evangelische Kirchengemeinde Haapsalu und ihre Partnergemeinde Rendsburg bei ihrem Treffen.

  • Eine Gruppe sitzt auf einer Treppe.
    Die Gäste aus der estnischen Stadt Haapsalu und die Gastgeber aus dem Kirchenkreis Rendsburg-Eckernförde treffen sich im Haus der Kirche in Rendsburg zum Austausch.
  • Zwei Männer reichen sich die Hand.
    Mart Salumäe, Pastor der St.-Johannes-Gemeinde in Haapsalu (links) bedankt sich bei Propst Dennis Pistol aus dem Kirchenkreis Rendsburg-Eckernförde für die Einladung.

Vier Tage verbrachten die elf Gäste aus Haapsalu in Rendsburg. Organisiert hatte die Begegnung auf deutscher Seite der Partnerschaftsausschuss der Ev.-Luth. Kirchengemeinde Rendsburg. Auf dem Programm stand auch ein Treffen mit Propst Dennis Pistol, der im Kirchenkreis Rendsburg-Eckernförde für Ökumene zuständig ist. 

Mart Salumäe, Pastor der St.-Johannes-Gemeinde in Haapsalu, erklärte, er habe eine freiwillige Weiterbildung bei einer Militärorganisation absolviert mit dem Ziel, Soldaten im Fall eines Falles seelsorgerlich betreuen zu können. „Wir beschäftigen uns aber auch mit der Frage, wie wir helfen können, wenn die ukrainische Gesellschaft nach Kriegsende neu aufgebaut werden muss.“ 

Estland, das an Russland grenzt, stand jahrzehntelang unter sowjetischer Besatzung. „Kirchenvernichtung stand auf dem Plan“, erinnerte Salumäe. Die Mehrheit der Esten ist konfessionslos; sieben Prozent gehören dem evangelisch-lutherischen Glauben an. 

Auch Themen zum kirchlichen Strukturwandel kamen zur Sprache: Es fehle an theologischem Nachwuchs, erklärte der estnische Pastor. Ab 2027 gelte daher die Regelung, dass Pastoren und Pastorinnen auf eigenen Wunsch bis zum Alter von 75 Jahren weiterarbeiten könnten.

„Außerdem wird es immer schwieriger, Jugendliche für kirchliche Angebote zu interessieren“, nannte die ehrenamtliche Prädikantin Tiina Kütt eine weitere Herausforderung. Die Kinder- und Jugendarbeit werde daher umstrukturiert: „Die Angebote werden seltener, aber intensiver.“ Zudem testeten Gemeindezusammenschlüsse digitale Konfi-Kurse, so Mart Salumäe. „Das läuft ganz gut.“

Propst Pistol sagte zu den Ausführungen: „Es gibt Parallelen zu unserer Situation: Auch wir rechnen perspektivisch mit weniger Pastoren und Pastorinnen. Ebenso entwickeln auch wir Formen moderner, kirchlicher Jugendarbeit weiter.“ Er ergänzte: „Außerdem sind auch wir insgesamt mit der Anpassung unserer kirchlichen Strukturen sehr befasst.“ Umso bereichernder sei der Austausch über den weiteren Weg mit den Gästen aus Estland. 

Auch der Rendsburger Pastor Rainer Karstens betonte den Wert der Partnerschaft: „Wir geben uns gegenseitig Anregungen, wie wir mit Herausforderungen umgehen können.“ In dem Ausschuss engagiert sich ebenfalls Henning Halver, Pastor im Ruhestand. „Unsere Partnerschaft mit Haapsalu ist ein kirchlicher Beitrag zur europäischen Verständigung. Es geht darum, dass wir in Europa zusammenhalten oder zusammenrücken.“ 

Kirche im Norden