Die Kirche in Hademarschen ist eine Großbaustelle: Ein Bagger, an dessen Arm ein stählerner Stemmhammer mit Meißelspitze befestigt ist, bricht die alten Feldsteine aus den Kirchenwänden. Es entstehen große Öffnungen. So kann man durch die beiden gegenüberliegenden Öffnungen hindurchgucken wie durch die Löcher eines Schweizer Käses. An anderer Stelle wird bereits gemauert: Die neuen Wände entstehen aus etwa 4000 Sandsteinen, die außen durch rund 27000 Steine im Klosterformat verstärkt werden. Diese sind doppelt so groß wie herkömmliche Ziegelsteine.
Für die Gemeinde sind der Abriss der alten Wände und der Start der Maurerarbeiten ein besonderes Ereignis. „Auf diesen Moment haben wir hingefiebert“, sagt Pastorin Diana Krückmann. Die Vorgeschichte reicht mehr als zwei Jahrzehnte zurück – geprägt von einem Großbrand, einer misslungenen Sanierung und einem jahrelangen Rechtsstreit.
Damit an Mauern und im Innenraum gearbeitet werden kann, ohne die Statik zu gefährden, trägt ein Ständerwerk aus Holz mit montierten Stahlträgern vorübergehend das Dach. Ein Wandabschnitt nach dem anderen wird abgestützt und das Mauerwerk ausgetauscht. Diese Stützen werden verschwinden. Dagegen bleiben die Säulen, die gerade an den Seiten im Innenraum aus Stahlstäben und Beton errichtet werden.
Bis zur Fertigstellung finden reguläre Gottesdienste im Gemeindehaus statt. Für Pastorin Krückmann ist das eine gute Übergangslösung. Aber keine Dauerlösung. Die Sanierung der alten Kirche ist ihr sehr wichtig: „Dieser Ort ist seit rund 1100 Jahren geistliches Zuhause der Menschen, die zu Hanerau-Hademarschen und zu den Dörfern der Umgebung gehören.“ Die Kirchengemeinde möchte die Sanierung als Chance nutzen, St. Severin zukunftsfähig zu machen. Geplant sind eine energetische Versorgung über Photovoltaik und Wärmepumpe, ein barrierearmer Zugang sowie moderne Ton- und Lichttechnik, die es ermöglicht, dass der Raum künftig auch für Konzerte und kulturelle Veranstaltungen der ganzen Region genutzt werden kann. Für die Gestaltung der Fenster und des Altarraums sind außerdem künstlerische Wettbewerbe vorgesehen.
Um dies zu leisten, benötigt die Gemeinde finanzielle Unterstützung und Ideen für Aktionen. Eine wird jetzt umgesetzt: „Wer alte Feldsteine zur Gartengestaltung haben möchte, kann sich an unser Kirchenbüro wenden; wir geben gerne welche gegen Spende ab“, erklärt die Pastorin. Architekt Filip Fröhler geht davon aus, dass die Arbeiten zügig vorangehen. Seine Prognose: „Wenn nichts dazwischenkommt, ist das Wichtigste vor Weihnachten geschafft.“ Nur noch Arbeiten in geringem Umfang wie Malerarbeiten im Innern seien dann wohl noch notwendig.






















