Rendsburg-Eckernförde. Beim Brand im Seniorenheim „Haus Hüttener Berge“ in Ascheffel vor wenigen Tagen stirbt ein Bewohner. Mehrere ältere Menschen werden zeitweise evakuiert. Mit im Einsatz ist auch die Notfallseelsorge. Sie unterstützt Betroffene in den ersten Stunden einer akuten Krise – nach Bränden, Suiziden, Verkehrsunfällen, Amokläufen oder erfolglosen Reanimationen zu Hause.
„Wir unterstützen die Betroffenen und entlasten die Polizei und den Rettungsdienst“, erläutert Witold Chwastek. Der Krusendorfer Pastor koordiniert im Kirchenkreis Rendsburg-Eckernförde seit drei Jahren die Notfallseelsorge. Rund 60 Pastorinnen und Pastoren sowie 15 Ehrenamtliche haben an bestimmten Tagen Bereitschaft. „Die Polizei und die medizinischen Einsatzkräfte vor Ort entscheiden, ob Notfallseelsorgende eingeschaltet werden sollen“, berichtet Chwastek. Die Leitstelle alarmiere dann die Notfallseelsorge. Verbunden durch ein ausgefeiltes App-System erfahren die Diensthabenden und der Koordinator die benötigten Informationen und vernetzen sich. „In der Regel fährt eine Person zunächst los und ruft gegebenenfalls eine weitere dazu“, erläutert Chwastek den Ablauf.
Die Notfallseelsorgenden suchen sich einen ruhigen Platz oder Raum, gegebenenfalls in der Kirchengemeinde, um sich um die Betroffenen zu kümmern. „Unsere Aufgabe ist es, die Situation zu stabilisieren“, sagt Pastor Ulrich Ranck. Witold Chwastek ergänzt: „Die Menschen sind aufgewühlt und wir versichern ihnen: ‚Wir sind für Sie da‘.“ Der Rendsburger Pastor Arne Jurezek meint: „Wir helfen Menschen in einer ausweglosen Situation durch unsere Präsenz. Manchmal halten wir nur gemeinsam die Stille aus.“ Etwa zwei bis drei Stunden dauere der Einsatz im Schnitt. „Wenn die Person mir einen Kaffee anbietet, weiß ich, dass ich gehen kann“, berichtet Peter Willutzki von seinen Einsätzen. Der Berufssoldat unterstützt Chwastek bei den Diensten im Hintergrund. Beide übernehmen darüber hinaus Einsätze vor Ort. „Wir kommen nicht als Erste, fahren aber oft als Letzte“, so Chwastek.
Seinen Angaben zufolge haben sich die Zahlen der jährlichen Einsätze erhöht von 47 im Jahr 2023 über 70 in 2024 bis zu 110 im Jahr 2025. Der Einsatz kostet Kraft. „Man ist immer wieder voll Adrenalin“, meint die Ehrenamtliche Anne Hein aus Nübbel. Ihr Anliegen sei es, Menschen in Not zuzuhören. Dies ist auch die Motivation für Petra Daudert, die ebenfalls ehrenamtlich mitarbeitet: „Beim Blick auf die Flutkatastrophen in den Medien habe ich gedacht: Säcke schleppen schaffe ich nicht, aber zuhören kann ich.“ Für Teammitglied Birgit Kray aus Sehestedt ist die Notfallseelsorge eine „Herzensangelegenheit“. Die Ehrenamtliche, die sich auch als Prädikantin in einer Kirchengemeinde engagiert, ist noch in der Ausbildung. Der erste Block der Ausbildung bezieht sich auf den häuslichen Bereich und der zweite, den Interessierte ebenfalls besuchen können, auf den öffentlichen. Beides zusammen dauert ein Jahr, wobei sich die Gruppe in der Regel einmal im Monat an einem Freitag trifft.
Im Kreis Rendsburg-Eckernförde übernimmt die evangelische Kirche allein die Aufgabe der „Psychosozialen Notfallversorgung“ – so der offizielle Begriff. Wenn Pastor Chwastek das Gefühl hat, dass es angebracht ist, zündet er eine Kerze an oder spricht ein Gebet. Doch für ihn sei das Wichtige, einfach dazusein. Propst Matthias Krüger fasst es so zusammen: „Kirche hilft Menschen in Krisen, beispielsweise durch die Notfallseelsorge. Sie ist Erste Hilfe für die Seele.“





















