Rendsburg/Eckernförde – Am 1. April hat Propst Dennis Pistol sein Amt angetreten. Nach einem halben Jahr schaut er im Interview zurück und nach vorn. Und er sieht viel Potential, gerade in der gemeinsamen Arbeit vor Ort.
Sie sind jetzt sechs Monate Propst im Kirchenkreis Rendsburg-Eckernförde. Was sind Ihre wichtigsten Eindrücke, die Sie in dieser Zeit gewonnen haben?
Ich habe in den vergangenen Monaten ganz viele Besuche unternommen: Ich war in den Kirchengemeinden, ich habe mir die Krankenhausseelsorge angesehen, ich war bei der Tafel der Diakonie. Ich war zudem mit vielen Menschen jenseits der Kirche, in Gesellschaft und Politik, im Gespräch. Es war schön zu merken, dass unsere Arbeit auch dort sehr wertgeschätzt wird. Ich betone das, weil mir eine Kirche wichtig ist, die bei allen eigenen Notwendigkeiten zur Veränderung, nicht zu sehr mit sich selbst beschäftigt ist.
Gibt es einen besonderen Markenkern der Kirche in Eckernförde und Umgebung?
Natürlich ist die Kirche bei uns vom dem geprägt, was unsere Region überhaupt ausmacht: vom Tourismus und vom Leben im ländlichen Raum etwa. Wir haben in Eckernförde einerseits Schwerpunkte wie eine sehr profilierte Kirchenmusik, tolle kulturelle Veranstaltungen oder die Schäferwagenkirche am Strand. Andererseits wollen wir in der Fläche mit Seelsorge, Jugendarbeit und Angeboten für ältere Menschen verlässlich vor Ort sein.
Wie müssen sich die Kirchengemeinden in den Regionen künftig weiterentwickeln?
Wir werden auch künftig vor Ort dann gut präsent sein können, wenn Gemeinden einer Region sich noch mehr zusammentun. Das bedeutet unter anderem, dass sie inhaltlich kooperieren, sich personell noch mehr aufeinander beziehen und auch Gebäude gemeinsam nutzen.
Der Kirchenkreis hat in den vergangenen Monaten einige Pfarrstellen ausgeschrieben. Warum ist die Besetzung von Pfarrstellen mitunter schwierig geworden?
Das knüpft an meine vorherige Antwort an. Wir werden als evangelische Kirche künftig mit weniger Finanzmitteln und mit weniger Pastorinnen und Pastoren die Arbeit gestalten müssen. So ist es einfach. Ich sehe es daher mit anderen im Kirchenkreis gemeinsam als eine meiner zentralen Aufgaben, eine profilierte Personalpolitik voranzubringen: Dazu gehört ganz vieles und natürlich ist ein Ziel dabei, offene Stellen gut wiederzubesetzen.
In diesem Jahr gab es Spontantrauungen am Strand in Eckernförde bei der Schäferwagenkirche, vor vier Jahren fand das Tauffest am Südstrand statt. Beide Male gab es große Resonanz von vielen Menschen. Gibt es weitere Pläne ähnlicher Art?
Ich habe mich darüber sehr gefreut: über die positive öffentliche Resonanz und auch über die Freude der Beteiligten. Und ja, ich finde, wir haben im Kirchenkreis zwischen Wacken und dem Ostseestrand eine hervorragende Ausgangslage, Menschen auf Ihrer Suche nach Segen in besonderen Lebensmomenten in Kirchen und an schönen Orten zu begleiten. Das werden Kirchengemeinden weiter tun und das werden wir auch übergemeindlich weiterentwickeln.
Sie sind auch verantwortlich für die Diakonie, die Kindertagesstätten und die übergemeindlichen Dienste wie etwa die Jugendarbeit. Welche Rolle spielen diese für die Kirche der Zukunft?
Eine große. Gerade hier haben wir als Kirche Kontakt mit dem Alltag vieler Menschen. Hier ist die Relevanz fürs eigene Leben unmittelbar spürbar. Und zugleich kommt uns in diesen Arbeitsbereichen eine besondere Verantwortung für das Gemeinwesen zu, der wir gerecht werden wollen.
Erlauben Sie zum Schluss noch eine persönliche Frage: Als Propst sind Sie viel unterwegs und haben viele Termine wahrzunehmen. Wie gelingt es Ihnen, auch mal abzuschalten?
Zunächst einmal: Mir macht das neue Amt viel Freude – und ich möchte was bewegen. Dazu kommt: Ich setze Grenzen, gehe regelmäßig Joggen, am Wochenende höre ich mal gern Podcasts oder lese – und durch meinen Sohn ist mir sowieso noch ganz anderes im Leben sehr wichtig.




















