Aufschrift Frieden braucht mehr, Umriss Taube aus bunten Herzen

Schwarmintelligenz in Dur und Moll

Die Kirchengemeinde Nortorf testet das neue evangelisches Gesangbuch. Sie zeigt dabei Plus- und Minuspunkte auf.

 

  • Kantor mit Probegesangbuch am Klavier
    Der Kantor der Kirchengemeinde Nortorf Markus Hansen befasst sich intensiv mit dem Probedruck des neuen Gesangbuchs.

Rendsburg - Klassiker wie "Der Mond ist aufgegangen" fehlen natürlich nicht. Aber das Erprobungs-Gesangbuch der Evangelischen Kirche, das die Kirchengemeinde Nortorf gerade testet, enthält auch Songs aus neuerer Zeit, zum Beispiel "O happy day".
Auf Schwarmintelligenz setzt die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD): Rund 600 Gemeinden erproben momentan Teile des neuen Gesangbuchs, das 2028 eingeführt werden soll. Die Kirchengemeinde Nortorf hatte sich für die Aufgabe beworben und war erfolgreich. Seit November letzten Jahres nutzt sie die Testausgabe in Gottesdiensten. Außerdem bietet der Kirchenmusiker Markus Hansen regelmäßig Treffen für Gemeindemitglieder an, um sich mit dem Buch zu befassen. „Die Gemeindemitglieder zeigen sich aufgeschlossen und interessiert“, fasst der studierte Musikwissenschaftler die Reaktionen zusammen.

Mehr moderne Lieder, eine schlüssigere Struktur und eine zeitgemäße grafische Gestaltung sind einige Unterschiede zum alten Werk aus dem Jahr 1993. Aufgeteilt ist es in farbige Rubriken wie Tageszeit oder Jahreszeit. Am Umfang wird sich wenig ändern. Auch das neue Gesangbuch soll rund 500 Lieder enthalten; wobei sich die Testversion auf ein Drittel des Inhalts beschränkt. Geplant ist zusätzlich eine digitale Fassung des Werks, die noch mehr Lieder und Extras bereitstellt.

Lob in höchsten Tönen 

„Bis auf wenige Punkte gefällt mir das neue Gesangbuch richtig gut“, urteilt Hansen, der seit einem Jahr in der Gemeinde arbeitet. Die neuen Lieder seien ganz nach seinem Geschmack. Was ihm ebenfalls zusagt: „Vor oder nach einem Lied steht oft ein kurzer Text, der zum Nachdenken anregt.“ Den Psalmen-Teil, in dem ebenfalls Texte und Lieder gekoppelt sind, lobt der 37-jährige Diplom-Kirchenmusiker in höchsten Tönen. Und auch die zusätzliche Sortierung nach Liedern für bestimmte Stimmungen findet seine Anerkennung. Auf diese Weise lassen sich schnell beispielsweise Gute-Laune-Songs auffinden oder Stücke, die der eigenen Trauer Raum geben. 

Was Hansen nicht gefällt, sind an manchen Stellen verwirrende musikalische Anweisungen. „Es muss auf einen Blick klar sein, welches der Refrain ist und welche Teile wann wiederholt werden.“ „Etwas störend“ findet er, dass bei manchen Liedern die Melodie und Strophen so angeordnet sind, dass ein mehrmaliges Vor- und Zurückblättern nötig ist. Am 15. März wird die Gemeinde das Testgesangbuch zum letzten Mal in die Hand nehmen, um anschließend ihre Erfahrungen in Fragebögen festzuhalten. Das Feedback der etwa 600 Gemeinden soll in die weitere Arbeit an dem Werk einfließen.

Offene Test-Runden: Donnerstag, 19. und 26. Februar, 18.30 Uhr, Gemeindehaus Nortorf, Niedernstraße 2
Test im Gottesdienst: Samstag, 14. Februar, 18 Uhr und Sonntag, 22. Februar, 10 Uhr, Gemeindehaus Nortorf (Niedernstraße 2)
Infos zum Projekt „Neues Gesangbuch“: www.mitsingen.de

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