Aufschrift Frieden braucht mehr, Umriss Taube aus bunten Herzen

Vom Straßenfund zur würdigen Grabstätte

Bei Bauarbeiten wurden 2023 in Rendsburg unzählige menschliche Knochen gefunden. Sie wurden wissenschaftlich untersucht und nun beigesetzt.

  • Am Gedenkstein für die Opfer des Dreißigjährigen Krieges stehen vor der Grabstätte: Markus Stöterau (Vorstandsvorsitzender der Bürgerstiftung Region Rendsburg), Bürgermeisterin Janet Sönnichsen, Stadtpräsident Thomas Krabbes und Pastor Rainer Karstens (Ev.-Luth. Kirchengemeinde Rendsburg) (von links).
  • Dr. Arne Paysen und seine Frau Miriam Paysen, die Archäologin ist, haben die Knochen wissenschaftlich untersucht.

Rendsburg – Im September 2023 wurde bei Straßenbauarbeiten zwischen Marienkirchhof und Alloheim eine große Anzahl menschlicher Knochen gefunden. Es hat sich herausgestellt, dass es sich um Verstorbene aus der Zeit des Dreißigjährigen Kriegs handelt. Die Ev.-Luth. Kirchengemeinde Rendsburg hat in Abstimmung mit der Denkmalpflege des Landes und der Landeskirche sowie der Stadt Rendsburg eine angemessene Grabstätte auf dem Garnisonfriedhof gefunden. Die Gebeine wurden nun in einer Zusammenkunft würdevoll begraben, oder, wie es in solchen Fällen heißt, „eingebettet“.

„Die Einbettung ist ein Akt der Würde, der Erinnerung und der Hoffnung. Sie ruft uns dazu auf, das Leben zu achten“, sagte der Rendsburger Pastor Rainer Karstens, der eine kurze Andacht hielt. Stadtpräsident Thomas Krabbes erklärte: „Dies ist ein Appell, sich für den Frieden einzusetzen.“ Dem schloss sich Bürgermeisterin Janet Sönnichsen an: „Die Würde jedes Menschen muss unbedingt geschützt werden.“ 

Die Grabstelle ist in einem Halbkreis um den Gedenkstein angeordnet. In der Grabstelle befinden sich neun kleine Särge aus dicker, dunkler Pappe. In der Erde darunter liegen die zahlreichen anderen Knochen. „Wir haben sie in einem bis oben mit Kartons beladenen Lastwagen abtransportiert“, erzählt Dr. Arne Paysen von der Denkmalschutzbehörde des Kreises Rendsburg-Eckernförde. Seine Frau Miriam Paysen, Archäologin, berichtete: „Wir haben die Knochen dann in unserem Wohnzimmer auf einer Plane ausgebreitet, von Schmutz befreit, sortiert, dokumentiert und in Chroniken geforscht.“ In Kooperation mit der Uni Kiel und anderen Fachleuten kristallisierte sich dies Ergebnis heraus: 

Es handelt sich um die sterblichen Überreste – darunter auch Schädel – von mindestens 115 Frauen, Männern und Kindern. Viele der Knochen weisen Spuren von Verletzungen durch Waffen wie Schwerter und Musketen, das heißt lange Gewehre, auf. Aber auch deutliche Hinweise auf Krankheiten wie Syphilis sind vorhanden. 1644 wurde Rendsburg von den Schweden belagert. Chroniken berichten von hohen Todeszahlen durch Seuchen und Kriegshandlungen. Etwa die Hälfte der Stadtbevölkerung ist während der Belagerung umgekommen oder schwer verletzt worden. Vermutlich wurden in dieser Kriegszeit die Reste der zerstörten Häuser Altstädter Markt 7-9 beseitigt und das Gelände wurde zum Friedhof geweiht, um die Leichen bestatten zu können. Dann geriet die genaue Lage der Grabstätte offenbar in Vergessenheit. Später wurden dort neue Häuser errichtet. Beim Bau des Kaufhauses Grimme (danach Karstadt, dann Hertie, heute Alloheim) im Jahr 1955 wurden die Knochen zum ersten Mal gefunden und, wie man heute weiß, heimlich entsorgt. 

„Leider kennen wir keine Namen der Personen, denen wir die Knochen zuordnen könnten“, bedauerte Paysen. Er bedankte sich bei allen, die „ein würdevolles Ende der Entdeckung“ ermöglicht hätten. Die Kosten für die Beschaffung und Aufstellung des Grabmals wurden von der Ev.-Luth. Kirchengemeinde und der Stadt Rendsburg getragen; auch die Bürgerstiftung Region Rendsburg beteiligte sich. 

 

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