Rendsburg – Vor vier Jahren hat die Kirchengemeinde Rendsburg zahlreiche Bände der berühmten Gudeschen Bibliothek aus dem 17. Jahrhundert in die Obhut der Schleswig-Holsteinischen Landesbibliothek gegeben. Sie wurden zunächst zwischengelagert. Nun werden sie im Kulturspeicher Kiel präsentiert. Ulrike Taege von der Kirchengemeinde Rendsburg hat dem Kulturspeicher einen Besuch abgestattet. Ein Interview mit Dr. Sonja Grund (Dezernatsleiterin Bibliothek der Schleswig-Holsteinischen Landesbibliothek), Dr. Maike Manske (Leitung Dezernat Sondersammlungen) und Pastor Rainer Karstens (Kirchengemeinde Rendsburg) zeigt Hintergründe auf.
Wie würden Sie diese Bibliothek denen beschreiben, die sie nicht kennen?
Grund: Marquard Gude war ein interessanter Schleswig-Holsteinischer Bürger, der gereist ist, und das Wissen seiner Zeit gesammelt hat. Das ist etwas Besonderes, was wir in anderen Sammlungen im Lande nicht haben.
Manske: Es ist der älteste Druckbestand, den wir im Haus haben. Die Gudesche Bibliothek geht bis ins 16. Jahrhundert zurück, kurz nachdem Gutenberg den Buchdruck erfunden hat. Mit seinem breiten Interesse als Philologe bündelte er das alte und das neue Wissen der Zeit in einer riesigen Bandbreite.
Karstens: Gudes Rekurs auf die alten Griechen und auf die Klassiker ist ein Gewinn gewesen in der Zeit.
Was beeindruckt Sie an der Gudeschen Bibliothek am meisten?
Grund: Die direkte Begegnung mit der Geschichte: Mit einem über 500 Jahre alten Buch in den Händen, ist man sofort in diese Zeit zurückversetzt. Und die direkte Verbindung mit der Landesgeschichte. Gude war jemand, der hier groß geworden ist.
Manske.: Beeindruckend finde ich Gude als Mensch, seine Reisen in den 1660er Jahren nach Frankreich und Italien, die Bibliothek mit den Inhalten, die Schönheit und Haptik eines in Schweinsleder gebundenen Buches.
Karstens: Die Gudesche Bibliothek ist ein Fenster in die Vergangenheit, die einen bewegt und auch beschäftigt. Wir erhalten Impulse für die Gegenwart. Sie beleben unseren wissenschaftlichen Diskurs immer wieder und bringen ihn voran.
Wie ist die Kirchengemeinde Rendsburg in den Besitz der mehr als tausend Bände umfassenden Privatbibliothek gekommen?
Karstens: Die Gudesche Privatbibliothek ist eine Sammlung von Dubletten. Gude hatte sie schon zu Lebzeiten aussortiert. Er verfügte in seinem Testament, dass diese Dubletten in die Grabkammer der Familie in der Marienkirche in Rendsburg gelegt werden. Dort wurden sie ganz lange verwahrt.
Wie sind die Landesbibliothek und die Kirchengemeinde Rendsburg zueinandergekommen, sodass die Gudiana an diesem repräsentativen Ort, dem Kulturspeicher Kiel, besucht werden kann?
Karstens: Ich hatte wahrgenommen, dass die Gudesche Bibliothek im Kirchenkreisarchiv in Kartons verpackt und unzureichend gesichert auf Dauer nicht gut aufgehoben war. Es gab keine Vorkehrungen zur Konservierung der Bestände. Auf der Suche nach einem besser geeigneten Ort habe ich mit Frau Grund Kontakt aufgenommen.
Grund: Herr Karstens ist im Mai 2021 auf uns zugekommen. Dieser Altbestand ist eine Ergänzung zu dem, was wir hier haben. Herr Karstens und ich wurden uns schnell einig und wir regelten die rechtlichen Formalien. Mitte Juni 2022 haben wir die Gudiana aus Rendsburg abgeholt und bis zur Eröffnung des Kulturspeichers im Handschriftenmagazin zwischengelagert.
Wie können interessierte Menschen Zugang zu einzelnen Werken bekommen?
Grund: Man findet die bereits katalogisierten Bände, das sind etwa 1120, im Online-Katalog und kann sie ganz normal bestellen. Der gewünschte Band kann im sogenannten Kabinett unter besonderen Bestimmungen eingesehen werden. Bände aus dem Forum oder aus dem Handschriftenmagazin werden zum vereinbarten Termin für die Nutzenden bereitgelegt.
Öffnungszeiten: Der Kulturspeicher Kiel (Wall 47/51) ist Mo-Fr von 9.30-18 Uhr geöffnet. In der St. Marien-Kirche Rendsburg (An der Marienkirche 6) können einige Exponate der Gudeschen Bibliothek im Kultur- und Erlebnisraum Mo-Sa von 10-13 Uhr betrachtet werden.





















