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Haapsalu und Rendsburg: eng miteinander verbunden

  • Austausch in Rendsburg: Im Oktober 2019 war eine Delegation aus Haapsalu in Rendsburg zu Gast. Dieses Foto ist beim Besuch des damaligen Bürgermeisters Pierre Gilgenast entstanden.
  • Auf dem Wegweiser der Partnerstädte in Haapsalu ist auch Rendsburg vertreten.
  • Henning Halver, Pastor im Ruhestand, war viele Jahre im Kirchenkreis für Ökumene zuständig und hat die Partnerschaftsarbeit begleitet.
  • Tatjana Owodow ist Referentin für Ökumene im Kirchenkreis.

Für den Partnerschaftsausschuss der drei evangelisch-lutherischen Kirchengemeinden Rendsburg (St.Marien. St.Jürgen und Christkirchengemeinde) berichtet heute Henning Halver von der Verbindung nach Haapsalu in Estland inder Reihe "Ökumene - miteinander verbunden" der Ökumenischen Arbeitsstelle. Halver ist Pastor im Ruhestand und war bis 2019 für den Bereich Ökumene im Kirchenkreis Rendsburg-Eckernförde zuständig.

Carpe diem

… sagt der Lateiner und meint damit: Wenn sich die Gunst der Stunde zeigt, dann ergreife sie beherzt und mutig.

Die Gunst zeitgeschichtlicher Entwicklungen erkannte im Herbst 1989 Tiit Salumäe, seinerzeit Pastor der Evangelisch-Lu­the­rischen Jaani-Gemeinde im estnischen Haapsalu. Der damalige Ostblock war im Prozess, Geschichte zu werden. Die Vorherrschaft der UdSSR schwand und das Baltikum sah die Chance in Reichweite, die Unabhängigkeit wieder zu erlangen und in die internationale Staatengemeinschaft zurückzukehren.

Was könnte da förderlicher sein, als Kontakte zu knüpfen und Partnerschaften zu begründen mit Städten und Kirchen in Westeuropa. Gesagt - getan!

Zusammen mit Vertretern der Stadt Haapsalu machte sich Pastor Tiit Salumäe auf den Weg und schloss im Dezember 1989 Partnerschaften sowohl mit der Stadt Rendsburg als auch mit den drei Rendsburger evangelisch-lutherischen Kirchengemeinden: der Beginn der Beziehung und auch ökumenischen Verbindung zwischen Haapsalu in Estland und Rendsburg in Deutschland.

Damit sahen sich die Kirchengemeinden St.Marien, St.Jür­gen und die Christkirchengemeinde vor die Herausforderung gestellt, diese Partnerschaft mit Leben zu füllen. Und das haben Menschen der drei Gemeinden in unterschiedlichen Feldern engagiert getan:

In den ersten Jahren ging es um direkte, materielle Unterstützung; Anfang der 1990er Jahre aber auch um Jugend­begegnungen. Zusammen mit weiteren Partnern, z.B. der Diakonie, konnte Hilfestellung beim Aufbau der kirchlichen Sozialarbeit geleistet werden.
Und besonders die Musik prägt die Ausgestaltung der Begegnungen und Reisen: Chöre in größerer oder kleinerer Besetzung, Posaunenchöre und weitere musikalische Gruppen machten sich hin und her über die Ostsee auf den Weg und erfreuten je an dem anderen Ort die Zuhörenden durch z.T. gemeinsame Konzerte.

Da Tiit Salumäe, mittlerweile in seiner Kirchenregion zum Bischof ernannt, weiterhin in der Jaani-Gemeinde in Haapsalu wirkt, gehören er und seine Frau Lia sowie u.a. ihre meisterhaft übersetzende Tochter Maria Strauß zu den Partner*innen in den Begegnungen.
In dem gemeinsamen Zugehen auf das Reformationsjubiläum 2017 gewannen theologische Gespräche unter lutherischen Glaubensgeschwistern an der Ostsee (in Estland heißt sie übrigens Westsee) an Bedeutung. So haben die Rendsburger*innen von den estnischen Besucher*innen im Oktober 2016 gelernt, dass im Estnischen „Gnade“ und „Liebe“ einen gemeinsamen Wortstamm haben. Wenn also in unseren Gottesdiensten vom gnädigen Gott gesprochen wird, hören Est*innen womöglich, dass Gott gnädig und damit liebevoll, vielleicht sogar verliebt ist. Ein wunderbar anregender Gedanke!

Aus dem anfangs zupackenden, die Gelegenheit nutzenden „Wir brauchen Eure Unterstützung und Hilfe in unserem Bestreben nach Unabhängigkeit und Aufbau einer eigenen Gesellschaft“ entwickelte sich in den Jahren ein Sich-gegenseitig-Teilhaben-Lassen an dem Leben der Gemeinden, an den Aufgaben von Kirche in der Gesellschaft und an dem Miteinander- und Für-Andere-Glauben-Leben.

Die ökumenische Partnerschaft über die Ostsee hinweg ist lebendig: hin und her, einander begegnend und gemeinsam Kirche gestaltend je am eigenen Ort. Wie gut, dass jemand die Chance sah und die Gelegenheit ergriffen hat - Gott sei Dank!

 

32 Jahre lebendiger Partnerschaft!

Die Partnerschaft der drei evangelisch-lutherischen Kirchengemeinden mit den Schwestern und Brüdern im estnischen Haapsalu besteht seit 1989.

„Am Anfang war der Brief“, heute fast altmodisch.Am Anfang habendie Engagierten Briefe geschrieben und später machten sich einzelne auf die Reise nach Estland. Aufgrund des Bedarfs in den estnischen Gemeinden wurden auf deutscher Seite Hilfsgüter gesammelt und nach Estland transportiert. Es gab auch einzelne Aktionen wie z.B. den Aufbau eines Altenheimes. Und auch die kirchlichen Diakonie-Werke haben in dieser Zeit die estnischen Partner kräftig unterstützt. Es wurden Kollekten und Spenden für die estnischen Partner-Gemeinden gesammelt, um die kirchliche Arbeit (z.B. Kinder- und Jugendarbeit; soziale Arbeit; Seniorenarbeit etc.) und die Gebäude-Erhaltung bzw. Gebäude-Nutzung zu unterstützen. Im Laufe der Jahre wurde es dann möglich, dass sich estnische und deutsche Partner:innen persönlich besuchen und begegnen konnten. Aus Begegnungen entstanden langjährige Kontakte und Freundschaften.

Heute ist es viel einfacher, Kontakt über Mail, whats app und andere Messenger zu halten, um sich über aktuelle Entwicklungen auszutauschen. Und das ist genau in diese „Corona-Zeiten“ sehr aktuell. Der Kontakt wird „digital“ gehalten. Das Engagement und die Energie der Menschen in den Kirchengemeinden füllen diese ökumenischen Beziehungen mit Leben, viel Fantasie und Kraft. 

Ökumenische Arbeitsstelle des Kirchenkreises Rendsburg-Eckernförde, Tatjana Owodow

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