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We are connected - Welt-verbunden

Gedanken zu ökumenischen Partnerschaft in unserer Reihe "Ökumene — miteinander verbunden" von Henning Halver, Pastor im Ruhestand.

Vor ein paar Monaten lagen zwei schwere Pakete bereit, Bauteile für ein Möbelstück. Ich hab wohl einen halben Tag daran geschleppt, Bauanleitung gelesen, die passenden Holzteile und Schrauben rausgesucht - und verschraubt. Das Möbel war sehr gut konstruiert, sinnvoll verpackt - es hat direkt Spaß gemacht, Stück für Stück zusammen zu fügen zu dem schönen Ganzen.

Dabei hat man die verschiedenen Bauteile in der Hand, dreht sie hin und her. Da fiel bei einem Stück ein Aufdruck auf: „ … Tartu ESTONIA …“. Dieses schöne, funktionale Möbel war also in Estland hergestellt worden. Und das Zusammenbauen fühlte sich danach fast so an, als ob jemand aus Estland mir die Holzteile und die Schrauben zureichen würde.

Frau und man kann genauso den eigenen Kleiderschrank genauer anschauen: Das Hemd „Made in Bangladesch“, die Sportschuhe „Made in Vietnam“, der Tee aus Sri Lanka, der Kaffee aus Peru, die PC-Maus „Made in China“ … wenn wir durch unseren gesamten Haushalt gehen, wird die Liste der Länder und damit die Anzahl der für unseren Markt produzierenden Menschen noch sehr viel länger.

Und was wäre, wenn z.B. über den Becher Kaffee eine Verbindung entstünde zu den Familien der Kaffee-Anbauenden in Peru, wenn ich den Näher*innen aus Bangladesch direkt begegnete, die estnischen Möbelbauer mir beim Zusammenschrauben über die Schulter guckten?

We ARE connected - wir SIND weltweit-verbunden … in unserem Alltag, in den Gütern, die wir täglich nutzen, durch die Lebensmittel, Alltags-Gebrauchsstücke, die wir so selbstverständlich Tag für Tag in der Hand haben.

In den 1980-er Jahren ermutigten die entsprechenden Abteilungen unserer Kirche die Gemeinden und Kirchenkreise, eigene Beziehungen zu Kirchen, zu Projekten, zu entwicklungsbezogenen Organisationen im Globalen Süden anzuknüpfen. Daraus sind lebendige Partnerschaften entstanden, die bis heute wirksam sind. Und nach dem Ende der Ost-West-Spaltung wurden auch Partnerschaften angeknüpft mit Kirchengemeinden, die vorher hinter dem Eisernen Vorhang verborgen waren.

Ja, wir sind nicht nur wirtschaftlich, auch im Glauben weltweit-verbunden; we are connected. Und wir können - mittlerweile auch über Internet und Soziale Medien - in der Regel recht schnell miteinander in Kontakt treten, uns vom Alltag berichten oder neue Vorhaben entwickeln.

Die Grafik oben habe ich übrigens 2009 zum ersten Mal auf Gotland wahrgenommen. In skandinavischen und auch in baltischen Ländern habe ich ähnliche Grafiken gesehen. Sie alle erzählen mir: Wir sind miteinander verbunden, aufeinander angewiesen, aneinander gewiesen in der EINEN Welt.

Und wir können, wir sollten miteinander teilen: die Ressourcen der EINEN Erde, die Ermutigung durch unseren Glauben, die Bemühungen um Gerechtigkeit (im Welthandel, in der Achtung der Menschenrechte, in der Förderung des guten Lebens für alle, undundund), unsere Anstrengungen um Frieden und um die Bewahrung der natürlichen Lebensgrundlagen für alle Geschöpfe in gleicher Weise.

Ökumenische Partnerschaften sind Ausdruck unserer welt-weiten „connectedness“ - miteinander verbunden und gemeinsam auf dem Weg, um aufeinander zu hören und zu achten, um mitzubauen an einem guten Leben für alle Geschöpfe in der EINEN, in Gottes Welt. Da gibt es noch viel zu tun - wir können mit-machen, welt- und menschen-verbunden, connected with sisters and brothers in faith.
Wunderbar - ein kostbares Geschenk - wir bemühen uns, es mit Leben und Zukunft zu füllen.

Henning Halver arbeitete bis Sommer 2019 als Pastor auf der Ökumenischen Arbeitsstelle des Kirchenkreises Rendsburg-Eckernförde

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